IN MEMORIAM GIORDANO BRUNO

Hier finden Sie alles, was Sie eigentlich nicht lesen dürften

Archive for the ‘Leserbriefe an DIE WELT’ Category

An die WELT (07.03.2003) 7,5 Cent vom Finanzminister

Posted by Gerhard Altenhoff - Juli 17, 2007

 

 

 

 

 

 

Blanker Hans

Die Welt

 

Z. Hd. Herrn Hans-Jürgen Leersch

Brieffach 24 10

 

7.3.2003

 

10888 Berlin

 

„Wer für Eichel wirbt, erhält 7,5 Cent“

 

(DIE WELT v. 31.1.03)

 

Sehr geehrter Herr Leersch,

 

Sie erhalten von mir 7,5 Cent, wenn Sie für mich Werbung machen. – Garantiert BAT (Bar auf Tatze).

 

Aber Sie werden für mich keine Werbung machen, denn dazu bedarf es der wenig verbreiteten Gabe des Lesens.

 

Wären Sie der Gabe des Lesens kundig, hätte Ihnen nicht entgehen dürfen, wer im Impressum der „Zeitschrift“ PROCENT als Herausgeber genannt wird. Und wenn Sie zumindest das Impressum gelesen hätten, wären Sie als Mitarbeiter eines unabhängigen Presseorgans mit ganz anderen Tönen gegen diesen Anschlag auf die Pressefreiheit losgegangen. Diesbezüglich verweise ich auf mein Schreiben an Ihre Medienredaktion v. 28.1.2003.

 

Ich habe für viele Dinge Verständnis, da ich selbst massiv unter sozialer Phobie zu leiden habe. Da kommt manchmal kein Wort heraus. Aber ich habe kein Verständnis für eine Art kollektiver sozialer Phobie bei gleichzeitigen verbalen Eruptionen, die samt und sonders neben der Sache liegen oder Nebensächlichkeiten zu Headlines hochstilisieren.

 

Bisher habe ich DIE WELT und die FAZ für seriöse, der Wahrheit verpflichtete Medien gehalten. Aber weder DIE WELT noch die FAZ sind darauf vorbereitet, das zu tun, was C. Hillgruber unter der Überschrift „Scheinbares Wohlbefinden“ von den Medien fordert: einfach die Wahrheit zu sagen.

 

Die Forderung nach der Wahrheit lauthals herauszuschreien, das ist einfach. Sie aber zu erfüllen, erst das erfordert Mut und Zivilcourage. – Zivilcourage, der „Aufstand der Anständigen“, ist es nicht das, was der „Kanzler“ vor nicht allzu langer Zeit von „seinem“ Volk verlangt hatte? – Ja, dann „Arsch hu un Zäng usenanner“!

 

Die Wahrheit zu sagen, ich gebe es zu, das ist nicht einfach und kostet Überwindung. Hillgruber ist darin beizupflichten, daß die Verkündung eines Sachverhalts, der der Wahrheit näher kommt als die wiedergekäuten „Wahrheiten“ der virtuellen Realität, selbst ein beispielloses Medienevent darstellen würde. – Aber dieses Medienevent will keiner haben. Er zerstört nämlich die zarten Bande zwischen Macht und Medien. – Kein Wunder also, daß die Presse den massiven Anschlag des Finanzministers auf die Pressefreiheit erst gar nicht als solchen wahrnimmt.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

(…)

 

Pünktchen, Pünktchen, Pünktchen kamen in die Welt, weil die WELT just zu dem Zeitpunkt (6.3.03 am Abend), da ich die obigen Zeilen verfaßte, die Rotationsmaschinen anwarf, die auf Seite 1 folgenden Text zu Paper brachte:

 

 

 

Elf Tote bei Vergeltungsschlag der Israelis

 

Nach dem blutigen Selbstmordattentat auf einen Bus in Haifa wurden bei Militäraktionen in Gazastreifen mindestens elf Palästinenser getötet.

 

Nach meinen Feststellungen ist die menschliche Wortsprache ein nach dem Baukastenprinzip organisiertes System zur hochauflösenden akustischen Übertragung von Bildern. Und deswegen kam mir heute morgen bei der Lektüre der WELT der Kaffee hoch: Durch die Verwendung der Worte blutig und Selbstmordattentat bekommt die Handlung eines Menschen einen negativen, dämonischen Beigeschmack. Ganz natürlich und banal wirken demgegenüber Tötungshandlungen, die andere Menschen vorgenommen haben. – Selbstverständlich und wie eine Nachricht auf dem Spiegel einer Damentoilette:

 

Elf Palaestinenser bei Militaeraktion getoetet!

 

Nun, der Tod der (mindestens) elf Palästinenser war mit Sicherheit weder beabsichtigt noch voraussehbar. Man hat sie nicht erschossen, erstochen oder erschlagen, nein! – Wenn überhaupt, dann hat man sie unblutig und human eingeschläfert. Vielleicht sind sie aber auch einfach an Maul- und Klauenseuche gestorben, wer weiß das schon?

Das BILD, das die WELT damit erzeugt, ist in seiner Wirkung so verheerend wie das Bild, das der „Führer“ mit seinen Worten vom 1.9.39 erzeugt hatte: „Seit fünf Uhr fünfundvierzig wird jetzt zurückgeschossen, von jetzt ab wird Bombe mit Bombe vergolten!“Begründung: Es wird mit der Wortwahl ein Werturteil über die Handelnden und die Betroffenen gefällt. Ohne entsprechendes Werturteil ergibt sich über denselben Vorgang folgende Aussage:

Ein Mensch sprengte sich in Haifa in die Luft. Mindestens 16 andere Menschen kamen dabei ums Leben. Viele Menschen wurden dabei verletzt. Als Folge davon gaben Menschen, die eine soziale Dominanzstellung innehaben, anderen Menschen den Auftrag, Menschen, die mit dem Vorgang selbst nichts zu tun hatten, anzugreifen, deren Eigentum zu zerstören und mit zumindest bedingtem Tötungsvorsatz auf sie zu schießen. – Diese Darstellung des Sachverhalts ist zwar langweiliger, aber realistischer. Aber nur die nüchterne, realistische, ja geradezu zynische Darstellung menschlichen Handelns kann den Sinn dafür wecken, daß es nicht einen einzigen Menschen auf dieser Welt gibt, den man außerhalb einer unmittelbaren Notwehr- oder Notstandshandlung (im engen strafrechtlichen Maßstab) ungestraft umbringen darf.

 

Es gibt weder Israelis noch Palästinenser, es gibt keine Deutschen, Franzosen oder Amerikaner. Es gibt keine Eskimos, keine Pygmäen, keine Sioux, keine Hutus, Tutsis oder Cherokees. Es gibt nur Menschen. Und es gibt „Etiketten“, die Menschen sich selbst und die sie anderen Menschen anheften. – Solange das Etikett, das ein Mensch zu tragen genötigt ist, für wichtiger gehalten wird als die simple und banale Feststellung, daß alle Menschen Artgenossen sind, werden Bush, Blair, Schröder & Co die „Welle machen können“. Und die „Medien“ werden speichelleckend so mitziehen, wie Goebbels es sich immer erträumt hatte: ganz ohne Zwang und Zensur.

 

Direkt unterhalb Ihres von mir inkriminierten Artikels befindet sich der Balkencode Ihrer Zeitung. Nur zwei Buchstaben trennen ihn vom Balkenkot. Und nur ein Buchstabe trennt den Dichter Busch vom Henker Bush:

 

Ach was muß man oft von bösen Buben hören oder lesen, wie zum Beispiel hier von diesen, die Saddam und Osama hießen…

 

Grüßen Sie mir bitte Ihren geschätzten Herrn Zippert.

Mit freundlichen Grüßen

Advertisements

Posted in Leserbriefe an DIE WELT | Leave a Comment »

Auszug Leserbrief vom 30.3.2003 – Irak-Krieg

Posted by Gerhard Altenhoff - Juli 17, 2007

DIE WELT
Z. Hd. Herrn Chefredakteur
Jan-Eric Peters
Brieffach 24 10
30.3.2003
10888 Berlin

Irak-Krieg
Sehr geehrter Herr Peters,
(…)
Und nun geht er bald in die dritte Woche, der Krieg, der diplomatisch nicht zu vermeiden war, weil Bush und Blair mit friedlichen Mitteln nicht zu stoppen waren. Sie erinnern sich:

– Es sieht ganz danach aus, als könne der Wahnsinn des Krieges nur noch durch eine Kugel in die Stirn des George W. aufgehalten werden. Aber vielleicht verhält es sich ja wirklich so, wie ich orakelt hatte: „Caesar bräuchte heute die Iden des März nicht mehr zu fürchten, er würde am Zeitungskiosk erledigt.“ – Und genau das, es kristallisiert sich immer mehr heraus, ist die Aufgabe einer freien Presse: Caesaren erledigen. Und Aufgabe der Justiz wird es sein, die Caesaren schadlos zu „entsorgen“.

Es sah nicht nur danach aus, es war so, alle diplomatischen Bemühungen, alles journalistische Gefrage war überflüssig, das aber war bereits im November 2001 sonnenklar:

1.   Da die „Bündnisfrage“ bereits unmittelbar nach dem Anschlag auf WTC und Pentagon gestellt und positiv beantwortet worden war, wurde meines Erachtens bereits am 11.9.2001 von George Bush die Entscheidung getroffen, einen Krieg anzuzetteln. – Ich hatte bereits damals im Familienkreis orakelt, daß die Entscheidung in Richtung Krieg Voraussetzung für das Stellen der Bündnisfrage ist. Alle anderen Entscheidungen waren damit unausweichlich vorgezeichnet und keine eigentlichen Entscheidungen mehr. Als der Kanzler dann die uneingeschränkte Solidarität „Deutschlands“ verkündete und Peter Struck nebst uns allen Amerikaner wurde, bemerkte ich dazu „August ‘14 läßt grüßen.“ Denn Art. 5 des NATO-Vertrages setzt voraus, daß ein Bündnisstaat mit „Waffengewalt“ angegriffen wird. Aus dem Sinn und Zweck der NATO als Verteidigungsbündnis und damit als „Kampfgemeinschaft“, ergibt sich zwanglos, daß der Waffenbegriff des Art. 5 eng auszulegen ist. Waffe im Sinne des Art 5 kann daher nur ein Gegenstand sein, der geeignet und bestimmt ist, Menschen zu töten oder Sachen zu zerstören. Der Schwerpunkt der Definition liegt dabei auf dem bestimmungsgemäßen Gebrauch des Gegenstandes. Panzer und Kanonen taugen zu nichts anderem als zum Töten von Menschen und zur Zerstörung von Sachen. Das gleiche gilt für ein MG oder eine Kalaschnikow. Ein Jagdgewehr fällt hingegen ebensowenig unter den Waffenbegriff des Art. 5 wie ein Küchenmesser. Beide Sachen können zwar ebenfalls als Waffe gegen Menschen eingesetzt werden, allerdings wäre dieser Gebrauch mit der Zweckbestimmung nicht vereinbar. Verkehrsflugzeuge, auch wenn sie als Kerosinbomben zweckentfremdet werden, können demnach ebenfalls keine Waffen im Sinne des Art. 5 sein. Warum verbietet sich eine weite Auslegung des Waffenbegriffs? – Weil sonst ein randalierender Steinewerfer in Nordirland den Bündnisfall auslösen könnte, sofern er Staatsangehöriger der Republik Irland wäre, denn damit käme nach der gegenwärtigen Lesart des Art. 5 der „Angriff“ von „außen“, vorausgesetzt natürlich, der Stein trifft einen Untertanen Ihrer Majestät. Freilich fand der Anschlag auf WTC und Pentagon auf einer anderen Größenskala statt, das rechtfertigt indes keinen Bruch des Rechts und willkürliche Auslegung internationaler Verträge. Für die Anwendung allgemeiner Rechtsvorschriften ist es ja ebenfalls unerheblich, ob eine beschädigte Lokomotive von Krauss-Maffei oder Märklin stammt.

2.   George W. und seine Verbündeten haben dem „internationalen Terrorismus“ den Kampf angesagt und die Zerschlagung von Osamas „internationalem Terrornetzwerk“ angekündigt. Diesem „Endziel“ dienen die Bombardements in Afgahnistan. Die Medien kolportieren diese Propaganda mit großem Eifer unreflektiert mit einer erschreckenden „Selbstgleichschaltung“. Seitdem es das Internet gibt, weiß fast jedes Kind, daß Netzwerke nicht dadurch vernichtet werden können, daß man den einen oder anderen Knoten zerstört. Das Internet ist ja vom Militär dazu erschaffen worden, auch bei großflächigen Störungen der Kommunikation die Nachrichtenübermittlung sicherzustellen. Ein „Enthauptungsschlag“ gegen Bin Laden könnte folglich nur dann dem „internationalen Terrorismus“ Einhalt gebieten, wenn dessen „Netzwerk“ hierarchisch strukturiert wäre wie einst die SS. Des weiteren ist die Behauptung, man könne einen -ismus mit Waffengewalt bekämpfen, unsinnig. Waffen können Wirkung nur gegen Menschen entfalten, nicht aber gegen geistige Konstrukte. Das haben alle Kriege des 20. Jahrhunderts gezeigt. Und es sind dieselben, die vehement für die Errichtung von Mahnmalen eintreten, die die Mahnung des Mahnmals nicht vernehmen wollen.

3.   Wenn eine Resolution des UN-Sicherheitsrates Bomben auf Afghanistan als „Selbstverteidigung“ überhaupt rechtfertigen kann, mit dem Auswechseln der Kriegsziele auf die „Beseitigung“ des Taliban-Regimes ist die Grenze der Verteidigung mit Sicherheit überschritten, zumal die Afghanen Kollateralschäden im eigenen Interesse (!) hinnehmen sollen. Abstruser kann eine Argumentation eigentlich gar nicht mehr sein. Aber weder für den „Führer“[1] noch für seine engsten Vasallen Tony und Gerhard gibt es ein Zurück. Dieses Triumvirat kann die Kampfhandlungen nicht beenden, ohne das Gesicht zu verlieren. – Und sein Gesicht verliert man nicht, egal, wer und wie viele dabei draufgehen. Am 7.10. 2001 war der Point-of-no-return überschritten.

4.   Thorwald Dethlefsen beschrieb die Methodik der modernen Medizin mit den Worten: „In der Technik gibt es viele Warnsysteme, wie beispielsweise eine rote Lampe an einer Gefriertruhe, die dann aufleuchtet, wenn die Temperatur in der Gefriertruhe ungewöhnlich ansteigt. Kein vernünftiger Mensch würde beim Aufleuchten dieser Lampe hingehen, die Birne locker schrauben und beim Verlöschen des Lichtes stolz verkünden, er habe die Gefriertruhe repariert. Bei der »Reparatur« des Menschen wiederholt sich dieser groteske Vorgang jedoch ständig. Kaum leuchtet ein Symptom auf, schon bringt der Arzt es zum Verschwinden und verbucht diesen Trick als einen Therapie-Erfolg.[2]  Doctores Bush – Blair – Schröder versuchen gegenwärtig, mit der sozialen Krankheit Terrorismus in verblüffend ähnlicher Weise fertigzuwerden. Allein, die Opfer militärischer Antibiotika sind Menschen. Und – Thomas Jefferson hat es in der Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika ausdrücklich niedergelegt – alle Menschen haben unveräußerliche Rechte. – Ja sind denn Afghanen keine Menschen? – Offensichtlich nicht, denn der Schutz der Menschenwürde durch das Grundgesetz wird ihnen augenscheinlich ebensowenig zugestanden wie das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit:

5.   40 Milliarden US-$ hat Cowboy George in seiner Satteltasche. Das ist etwa das vierzigfache des Betrages, den Spender und öffentliche Haushalte in aller Welt für die Flüchtlinge in Afghanistan bislang zusammenkratzen konnten. Nach jüngsten Schätzungen hat der texanische Racheengel bereits 2 Mrd $ aus seiner Kriegskasse im wahrsten Sinne des Wortes verpulvert. Angenommen, in Afghanistan gäbe es 6 Millionen Kinder, dann hätte George W. jedes Kind mit bereits $ 333,33 auf dem Luftwege beglückt. Bislang rund $ 10,– pro Tag.. – Eine tolle humanitäre Leistung. Wie schön wäre es, wenn man Bomben auch essen könnte. Auch aus diesem Mißverhältnis der Beträge ergibt sich der Wille des Mr.Bush zum Waffengang, also zum rücksichtslosen Töten von Menschen. Ferner ergibt er sich aus dem Umstand, daß er sich im Kongreß die Kriegskasse hat füllen lassen, während er als aufrechter Amerikaner seine Landsleute aufforderte, Opfer zu bringen und für die Hinterbliebenen des WTC-Anschlages zu spenden. Für jeden, der im WTC zu Tode kam, kassierte der Feldherr Bush vom amerikanischen Steuerzahler fast 10.000.000 Dollar! – Hinzu kommen die Milliarden, die der britische und der deutsche  Steuerzahler für die „dauernde Freiheit“ der Afghanen aufbringen soll.

Gerhard Schröder hat sich später formal aus dem Triumvirat zurückgezogen und bei seinen „Amtskollegen“ prompt das Gesicht verloren. Dennoch ist er weiter am Krieg beteiligt, wenn auch nur als einer, der „Schmiere“ steht; das sei hier nochmals wiederholt.

Der 7.10. sollte Ihnen ins Auge fallen, er ist so wichtig wie der 4.7. Der 4.Juli ist der Geburtstag meiner Mutter, der 7. Oktober der meiner Frau. Und der 11.9. ist der Geburtstag meiner Stiefenkelin.

Lassen wir das Mysterium der Geburtsdaten einmal weg: Fakt ist, daß die tumben Deppen beider Seiten wie vorhergesagt aufeinander eindreschen und die Medien wie gebannt danebenstehen. Sie suchen Informationen, die sie nicht bekommen, sie bekommen statt dessen Informationen, nach denen sie nicht gesucht haben. Und sie verkaufen das Ganze nach außen als „Berichterstattung“. Es werden  Fragen gestellt, die schon längst keine mehr sind. Sie erinnern sich:

Und es soll niemand glauben, der Konflikt sei noch „beherrschbar“, wenn der erste Schuß erst einmal gefallen ist. – Im August 1914 waren meine Großväter ebenso wie der spätere Gefreite Hitler vom „Spaziergang nach Paris“ überzeugt. Am 26.3.2003 äußerte sich ein in Landstuhl behandelter Kriegsversehrter der US-Streitkräfte dahingehend, daß er die Schüsse, die auf ihn abgegeben worden wären, nicht verstehen könnte. ER wäre doch schließlich in den Irak gegangen, um das irakische Volk zu befreien. – Kann mir mal einer erzählen, welch ein Monstermärchen die Lakaien der texanischen Giftspritze den eigenen Soldaten aufgetischt hat? – Der Vormarsch der kaiserlichen Truppen fräste sich 1914 an der Marne fest, 60 km vor Paris, der Stadt, die nur einen „Spaziergang“ entfernt gewesen war…

Noch am 25.3.2003 beklagte sich George W., daß die US-Truppen von Gegnern angegriffen würden, die „sich nicht an die Spielregeln hielten“. – Ja, was denkt der Mann denn? – Haben sich russische, jugoslawische oder französische Widerstandskämpfer an „die Spielregeln“ gehalten?

Erschreckend in diesem Zusammenhang ist, daß die Medien diese durchaus Goebbelssche Sichtweise der Ereignisse stützen, denn da ist die Rede von als „Zivilisten verkleideten Kämpfern“. – Vor 60 Jahren waren „als Zivilisten verkleidete Kämpfer“ noch „heldenhafte Partisanen“.

 

Im allgemeinen ändern sich mit dem Ort und der Zeit der Ereignisse auch der Blickwinkel, unter dem ein Ereignis gesehen wird. Fixiert man indes die Kamera der Geschichte und beobachtet alles aus einer Perspektive, ist das Bild ein völlig anderes. – Sie erinnern sich an das „Urteil des jüngsten Gerichts“?:

 

Und seit dem 11.9.2001 befindet sich das Urteil in der Phase der Vollstreckung. – Ob es richtig oder falsch ist, interessiert nicht mehr, – es ist rechtskräftig. Damit ist es unabhängig von allen menschlichen Regungen ohne jedes Erbarmen zu vollstrecken. – Und in der „aufgeklärten“ und „westlichen“ Welt scheint es keinen dafür geeigneteren „Vollstrecker“ zu geben als

 

 

George W. Bush.

 

Er hat sich für diesen Posten schließlich durch seine Tätigkeit als Gouverneur von Texas als hervorragend geeignet erwiesen, er hat Todesurteile gleich Dutzendweise vollstrecken lassen. Diesmal aber wird er das Urteil zu Ziffer 1.) an sich selbst vollstrecken, denn er schickt sich an, so zu handeln, wie man es von einem überheblichen Südaffen, der sich mit Gewalt alles passend macht, erwartet: er schickt sich an, „den Irak“ auf das Prokrustesbett zu legen.

Volltreffer! – Wie vorausgesagt hat die texanische Giftspritze ihr Amt als Vollstrecker wahrgenommen. Erbarmungslos und ohne Rücksicht auf Verluste. Homo sapiens sapiens hat mit G. W. Bush endgültig und unwiderruflich den Planeten Erde verlassen, Australopithecus superbus Procrustes hat seinen Platz im Evolutionsgeschehen eingenommen. – Keinen Ehrenplatz, eher „unter ferner liefen“…

Sie können sich sicher vorstellen, daß ich trotz allem herzhaft lachen mußte, als George Dabbelju am 26.3.2003 vor seinen Truppen in Tampa/FLA verkündete, daß über Saddam und den Irak das “jüngste Gericht“ kommen würde. – Der Mann merkt nun wirklich nichts mehr, denn auch für ihn gilt, was Paulus an die Römer schrieb: sie sind allesamt Sünder und ermangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten (Römer 3, 23). Bush wird in die Geschichte eingehen als Australopithecus superbus Procrustes Nummer 2, denn die Nummer 1 bin und bleibe ich:

Soweit ein Mensch etwas wissen kann, weiß ich, daß ich ein Australopithecus superbus Procrustes bin. Ich weiß auch, daß ich keine angeborene Tötungshemmung habe. Obgleich ich dies Gott sei Dank nie testen mußte, ergibt sich das ganz einfach aus den Mendelschen Gesetzen: Meine Großväter waren für Kaiser, Volk und Vaterland Feld ins gezogen; mein Vater und seine vier Brüder für Führer, Volk und Vaterland. Und es hätte nicht viel gefehlt – ich wäre Berufssoldat geworden. Nur der Sauhafen, der damals unter „Einsatzkompanie“ firmierte, brachte mich von diesem Gedanken ab. Auf der anderen Seite habe ich auch noch nie von einem Kriegsdienstverweigerer gehört, der sich auf eine angeborene Tötungshemmung berufen hätte. Wenn ich weiß, daß ich keine Tötungshemmung habe, kann ich mich schlecht für Institutionen stark machen, für deren Existenz die fehlende Tötungshemmung unabdingbar ist. Ganz im Gegenteil:

 Als Jurist gewöhnt man sich sehr schnell daran, Menschen zu „beurteilen“, Verhaltensweisen hier und jetzt als rechtswidrig oder verwerflich einzustufen, die an anderen Orten unseres Heimatplaneten gang und gäbe sind. Ein Jurist lernt aber auch, daß man die Verpflichtung haben kann, Gefahrenquellen zu beseitigen oder zumindest soweit unter Kontrolle zu halten, daß Leib und Leben oder Sachwerte Dritter nicht gefährdet werden. Und es kann für den Einzelnen die Pflicht bestehen, vor einer von ihm erkannten, aber nicht beherrschbaren Gefahrenquelle zu warnen. Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste, die Gefahrenabwehr Mutter des Polizeirechts. Das weggeschossene Gesicht und verstreute Fleischfetzen sind die Mutter der Erkennungsmarke. Allein daraus ergibt sich als größte Gefahrenquelle für Leib, Leben und Sachwerte Dritter zwanglos das Militär und vor allem diejenigen, die Angriffsbefehle unterzeichnen. Angesichts der Bilder aus Irak erspare ich mir hier eine ausführliche Begründung.

Als Mensch, als „Patriot“ kann und muß ich, Australopithecus superbus Procrustes Nr. 1, meine Mitmenschen vor dieser gigantischen Gefahrenquelle warnen. Warum als „Patriot“? – Nun, mein „Vaterland“, meine „Patria“ ist der Planet Erde. Und ein anderes „Vaterland“ kann auch kein anderer Mensch haben. Denn die vielen Vaterländer und Nationen mit ihren bunten Fähnchen sind nichts als Hirngespinste, die keinerlei Bezug zu der Welt haben, in der, mit der und von der wir leben. Die politischen „Eliten“ aller Herren Länder sind nichts anderes als lebensgefährliche Sozialparasiten – Abschaum! Fahnen und selbst leibhaftige Präsidenten und Kanzler sind nicht mehr als der Geßlerhut für 6 Mrd. Artgenossen. – Sie verbreiten mit ihrer Macht Angst und Schrecken, aber Respekt, den verdienen sie nicht.

  Die Nummer 1 kann nun schlecht hergehen und der ungezogenen Nummer 2 die dringend notwendigen Leviten lesen. Da sei der Secret Service vor. Es ist aufgrund der Machtverteilung in der Welt also vollkommen ausgeschlossen, daß ich als „Schimmelreiter“ ins Oval Office einziehe und das ungezogene Äffchen Georgie Dabbelju an den Ohren  zum ICC nach Den Haag schleife. Dennoch läßt sich der Schimmel zumindest schon einmal satteln:

11. Und ich sah den Himmel aufgetan; und siehe, ein weißes Pferd. Und der darauf saß, hieß: Treu und Wahrhaftigkeit, und er richtet und kämpft mit Gerechtigkeit.

12. Und seine Augen sind wie eine Feuerflamme, und auf seinem Haupt sind viele Kronen; und er trug einen Namen geschrieben, den niemand kannte als er selbst.

13. Und er war angetan mit einem Gewand, das mit Blut getränkt war. Und sein Name ist: Das Wort Gottes.

14. Und ihm folgte das Heer des Himmels auf weißen Pferden, angetan mit weißem reinen Leinen.

15. Und aus seinem Munde ging ein scharfes Schwert, daß er damit die Völker schlage; und er wird sie regieren mit eisernem Stabe; und er tritt die Kelter, voll vom Wein des grimmigen Zornes Gottes, des Allmächtigen,

16. und trägt einen Namen geschrieben auf seinem Gewand und auf seiner Hüfte: König der Könige und Herr aller Herren.

– Soweit die Offenbarung des Johannes, Kapitel 19:

Das Heer des Himmels auf weißen Pferden weckt zumindest bei mir die Assoziation mit den Fahrzeugen der Vereinten Nationen und der Presse. Und beide Institutionen werden langfristig mit den Mitteln von Treu und Wahrhaftigkeit die Wiederanpassung der Menschheit an das Prinzip des geringsten Zwangs und die Einhaltung reziproken Verhaltens in der reglobalisierten Wirtschaft bewachen  müssen. Dazu muß das „Wort“ – der Spruch des Richters, die Feder des Journalisten – die Gewalt der Waffe brechen. Das Recht muß mit der Macht brechen, damit die Mächtigen nicht ständig das Recht brechen können. Den Anfang aber muß die Presse machen, das scharfe Schwert des Wortes.

Stanley Milgram, dessen Experiment wieder einmal ein Feldversuch mit Hunderttausenden von unfreiwilligen Probanden folgt, hat gezeigt, wie man die Bereitschaft zum unbedingten Gehorsam drastisch senken kann: Nämlich durch das Auftreten einer zweiten Autorität, die zur befehlenden in Widerspruch tritt. Es wäre also an der Zeit, daß der Pabst, die Pariarchen, die Imame, aber auch die Rabbiner dieser Welt den Soldaten die Befolgung militärischer Befehle verbieten. Dieselbe Aufgabe müßte auch der UN-Sicherheitsrat wahrnehmen und die Befehle der Kriegsparteien einfach für Null und nichtig erklären. – Aber einstweilen wird es nicht dazu kommen, weil die Menschheit nach wie vor von ihrem Abschaum „regiert“ wird.

Geben Sie sich einen Ruck und der WELT-Öffentlichkeit die Antwort auf die Frage: Was kostet der Krieg? – Nicht 75 Mrd. US-$, die der Kongreß gefälligst zu bewilligen hat! Nein er kostet Menschenleben und wird von George W. Bush  und seinen Spießgesellen in aller Welt finanziert aus Mitteln, die sie ihren eigenen Landsleuten zuvor gestohlen und abgepreßt haben. Angesichts der Unsummen, die im Irak nutzlos in Wärme umgewandelt werden, haben die Bürger keinen realisierbaren Schadenersatzanspruch gegen ihre „Führer“. Aber die Bürger der Welt haben gegenüber der freien Presse einen Anspruch, nämlich den auf die Wahrheit.

„Wer die Wahrheit geigt, dem haut man die Geig’n auf den Kopf“, das muß jeder Chefredakteur einer Zeitung wissen, wenn er seinen Sessel einnimmt. Und genau das ist das Risiko, das er eingehen muß, und für das er erheblich besser bezahlt wird als ein Soldat, der die Rübe hinhalten muß.

Mit freundlichen Grüßen


[1] der westlichen Welt

[2] Dethlefsen, Schicksal als Chance, München 1986 S 150

Posted in Leserbriefe an DIE WELT | Leave a Comment »

Columbia als Menetekel (20.02.03 / 22.02.03)

Posted by Gerhard Altenhoff - Juli 17, 2007

DIE WELT
Z. Hd. Herrn Chefredakteur
Jan-Eric Peters
Brieffach 24 10
10888 Berlin

20.02.03

Columbia als Menetekel (DIE WELT vom 10.02.03)

Sehr geehrter Herr Peters,

Der Absturz der „Columbia“ war mit Sicherheit ein Menetekel. Eine Warnung, vielleicht die letzte Warnung.

Am 8.2.2001 veröffentlichte die Rheinische Post eine Fotomontage, die Schröder als Willem zwo zeigt. Dieses Bild kam mir wie gerufen, denn ich hatte gerade die „Pleiterepublik Schrödereich“ erfunden.

Herzlichen Dank auch an Ihre Kollegen von der Sportredaktion der „WELT“, die den wunderschönen neuen Wappenvogel dieses unseres Landes beigesteuert haben. Das alles kann Zufall gewesen sein.

Aber es gibt eine ganze Reihe von Zufällen, die mich nicht mehr an einen Zufall glauben lassen. Dazu gehören:

  1. mein Schreiben an DIE WELT vom 24./30.1. 2003 und den Absturz der Columbia.
  2. Der Entwurf meines Schreibens an MdB Pflüger als Reaktion auf dessen Artikel „Mit Luther gegen den Tyrannen in DIE WELT v. 7.2.2003-02-12
  3. RP Fotomontage Willem zwo/ Schröder und die BILD – Schlagzeile „Der Kanzler im Chaos“ v. 12.02.2003
  4. der „11.9.2001 – der Tag an dem die Erde Feuer fing?“
  5. Hillgruber: Scheinbares Wohlbefinden – Medien in der Demokratie FAZ 12.02.03 S. 7

Zu Punkt 1.) finden Sie das vollständige Schreiben, aus dem ich hier nur die Worte wiedergebe:

Aber denken Sie daran, ich kann den Lauf der Welt ebensowenig aufhalten wie Sie. Also versuche ich es erst gar nicht. Aber ich kann warnen, das können Sie auch, und Sie sollten es tun. Denn meine Warnung hat die stärkste Macht im Rücken, die man sich vorstellen kann: den 2. Hauptsatz der Thermodynamik. Und es ist die Warnung vor dessen Macht. Denn nichts, aber auch gar nichts, was der Mensch sich einfallen läßt, kann diesem Regenten Schranken setzten:

Atombomben, Autobatterien und Gewitterwolken sehen unterschiedlich aus, aber alle drei sind Energiespeicher und damit kurzfristige Verletzungen des 2. Hauptsatzes. Jeder weiß, daß eine Gewitterwolke Blitz und Donner im Gefolge hat. Jeder weiß, was geschieht, wenn man eine Autobatterie kurzschließt. Keiner aber weiß, wie lange sich die in den nuklearen Knallfröschen eingesperrte Energie darin festhalten läßt. Wie sagt die Werbung so schön? :

Manchmal genügt ein Knopfdruck –

Und Energie wird freigesetzt.

Und sie wird freigesetzt werden, unausweichlich. Die Frage ist nur: Wie? – Delaborieren und das spaltbare Material in Atomkraftwerken verfeuern? – Das würde am heftigen Protest der Atomkraftgegner scheitern. Alle Atomwaffen auf den Weg zur Sonne schicken, wo sie nicht ankommen werden, weil sie vorher verdampfen? – Dafür reicht die Raketenkapazität gegenwärtig nicht aus. Mangels Alternative müssen wir damit rechnen, daß uns die Dinger gleich reihenweise um die Ohren fliegen. Und diese Stunde rückt immer näher, weil der Mensch wieder einmal der große Schwachpunkt des Isolators ist, der die eingepferchte Energie von der übrigen Welt trennt.

Der Brief war keine 24 Stunden auf dem Postweg, da hatte der 2.Hauptsatz der Thermodynamik die „Columbia“, eine außergewöhnlich symbolträchtige Raumfähre, in Einzelteile zerlegt, aber nicht so ordentlich, wie Menschen es tun würden. Normalerweise werden Raumfähren mit dem Schraubenschlüssel zerlegt und nicht durch Überhitzung. Raumfähren sind lineare Muster, die nur dann funktionstüchtig sind, wenn sie linear bleiben. Schleicht sich an irgendeiner Stelle des Musters eine Nichtlinearität ein, sind die Folgen unabsehbar, jedoch nicht unvorhersehbar: Der 2. Hauptsatz der Thermodynamik hält sich ohne jede Ausnahme an eine bestimmte Prozeßordnung, nämlich an die logistische Funktion. Sie gilt für jeden positiv rückgekoppelten, also sich selbst beschleunigenden Energiewandlungsprozeß. Sie ist in der Natur genauso allgegenwärtig wie die Kreiszahl π. Die Bahnkurve ist auf den ersten Blick eine Bifurkationskaskade mit vielfältigen Interferenzen. Die Interferenzmuster auf der kleinsten mit Fractint 17.0 darstellbaren Größenskala können durchaus absonderliche Formen annehmen, die augenscheinlich etwas gänzlich anderes darzustellen scheinen als Bifurkationen. Aber man traue seinen Augen nicht. Alle „Gesichter“ werden durch eine einzige Gleichung erzeugt, es ist immer ein und dasselbe Bild. Und wie es aussieht, gibt es noch reichlich Muster, die ihrer Entdeckung harren. Reine Mathematik, ein und dasselbe Gesetz, dennoch gewaltige Unterschiede in der Erscheinung! 1 x 1 bleibt 1, aber das, was zwischen 0 und 1 liegt, erst da wird es wirklich interessant. War es wirklich Zufall, daß ich das Reich der linearen Mathematik meinem älteren Bruder überlassen mußte? – Mathematische Formeln sind für mich grundsätzlich so unanschaulich wie für einen Mathematiker die Verwandlung einer Hypothek in eine Eigentümergrundschuld, wenn eine hypothekarisch gesicherte Forderung an den Eigentümer fällt…

Das Bifurkationsmuster und das Abgleiten eines Prozesses ins Chaos sind jedem Juristen vertraut. Denn jede Prozeßordnung läßt sich als Bifurkationsdiagramm darstellen. Zufall?

Beim „Columbia“-Absturz konnte man den Anfang der Bifurkationskaskade noch unmittelbar wahrnehmen. Erst der Erdboden setzte ihr ein Ende. Obgleich sich die Bilder erheblich voneinander unterscheiden, auch das WTC wurde genau nach dieser Prozeßordnung zerlegt; und es sind genau die vier Gesetze, die hinter der Evolution der Organismen stehen: Thermodynamik, logistische Funktion, Gravitation und der Komplex Statistik/Wahrscheinlichkeit. Ich habe das in „Der 11.9. 2001 – der Tag, an dem die Erde Feuer fing?“ geschildert, wegen der Einzelheiten sei auf diese Schrift verwiesen.

Die damals angestoßene Rückkopplungsschleife droht jetzt für Hunderttausende zur Todesfalle zu werden, das atlantische Bündnis und die UNO zu zerreißen. Der erste Gabelungspunkt war die Fehlentscheidung der NATO, die USA seinen im Sinne des NATO-Vertrages „mit Waffengewalt“ angegriffen worden. Aus dem Begriff „Waffe“ und aus dem Zweck des NATO-Vertrages ergibt sich ohne jeden vernünftigen Zweifel, daß „Waffe“ im Sinne des Nordatlantikvertrages nur eine solche im technischen Sinne gemeint sein kann: ein Gegenstand, der geeignet und bestimmt ist, Menschen zu töten und Sachen zu zerstören. Die Betonung liegt hier auf bestimmt. Und es soll niemand glauben, der Konflikt sei noch „beherrschbar“, wenn der erste Schuß erst einmal gefallen ist. Sowohl anläßlich des Angriffs auf Jugoslawien als auch in Afghanistan haben wir Glück gehabt. Ob uns dieses Glück treu bleibt, das bleibt abzuwarten. Guido Knopp nannte sein Buch und die Filmreihe über die SS „eine Warnung der Geschichte“. – Die, die aus der Geschichte am meisten lernen sollten, haben ihre Hausaufgaben nicht gemacht. Weder Bush noch Blair, weder Schröder noch Chirac kommen ohne genau den „Kadavergehorsam“ aus, vor dem die Geschichte der SS warnen soll. Was ist aber, wenn jemand ganz anderes seine Warnungen sendet, indem er unabhängig vom Zutun politischer und technischer Entscheidungsträger Selbstmörder in Gebäude fliegen läßt und den wohl symbolträchtigsten Flug der „Columbia“ in einen Feuerball verwandelt? Schauen Sie mal in die Offenbarung des Johannes, da ist von sieben Sendschreiben die Rede, vom Buch mit den sieben Siegeln und ab Kapitel 8, Vers 6 ist von sieben Engeln die Rede und von Feuer bzw. Sternen, die vom Himmel fallen. Kapitel 9,15: Und es werden losgelassen die vier Engel, die bereit waren für die Stunde und den Tag und den Monat und das Jahr, zu töten den dritten Teil der Menschen. – Aussichten sind das! – Alles Zufall, könnte man sagen, wäre da nicht das Tier, das gem. 17, 8 „gewesen ist, jetzt nicht ist und wieder aufsteigen wird aus dem Abgrund und in die Verdammnis fahren wird.“ – Eben dieses Tier ist wieder da. Es hatte sich hinter der Maske des Homo sapiens sapiens versteckt und tauchte exakt an dem Tag aus dem Dunkel der Geschichte wieder auf, als die Maul- und Klauenseuche nach England kam. Australopithecus superbus procrustes: der überhebliche Südaffe, der sich mit Gewalt alles passend macht. Und dieses Tier, dessen soziale Instinkte verkrüppelt sind, ist dazu verdammt, auf den Krücken Recht und Moral weiter durch die Evolution zu humpeln.

Bei der Nachricht über die Rückkehr der Maul- und Klauenseuche wäre mir beinahe die Kaffeekanne aus der Hand gefallen. Denn drei Wochen zuvor, nämlich am 6.2.2001 hatte ich in einem Schreiben die Landwirtschaftsministerin des Bundes aufgefordert, BSE nicht länger als Seuche zu betrachten, sondern statt dessen mit der grünen Fahne gegen HPE (humane polymorphe encephalopathie = der ganz normale Wahnsinn) zu kämpfen. BSE kann keine „Seuche“ sein, denn BSE entfaltet keinen Ausbreitungsdruck. Bezüglich der „schlagartig“ auftretenden Massenerkrankung in bestimmten Gebieten drängte sich dadurch eine ganz andere Erklärung auf: – Wieviel Bluter gäbe es wohl heute in Rußland, wenn man mit dem Sperma des letzten Zarewitsch 500.000 Frauen geschwängert hätte? – 500.000, das ist die ungefähre Nachkommenzahl eines „Zuchtbullen“ in der ersten Generation. Gregor Mendel, dessen Gesetze im Zeitalter des Designer-Babys überwunden scheinen, läßt herzlich grüßen. – Aber sie scheinen nur überwunden zu sein, sie sind da, weil niemand sie abschaffen oder aufheben kann. – Erklärung hin, Theorie her, jedenfalls hatte ich am 6.2.2001 das Schreiben an Frau Künast fertig. Ich teilte ihr sogar noch mit, daß ich das für meine Person außergewöhnliche Bedürfnis hatte, eine Kirche aufzusuchen und dort eine Kerze anzuzünden. Das klappte nicht so ganz, denn in der St. Pankratius-Kirche (Dormagen-Nievenheim) fand ich keine Kerze vor, die ich hätte anzünden können. Also legte ich eine Kopie meines Schreibens an Frau Künast – den Urtext meines Urteils über das Wesen der Evolution – in den Kerzenständer; selbstverständlich habe ich das Papier nicht angezündet! – – – Ich könnte mir vorstellen, daß auch Ihnen unter diesen Umständen die Kaffeekanne beinahe aus der Hand gefallen wäre.

Es war nicht das erste, aber auch nicht das letzte Mal, daß mir das „Beweismittel“ für eine Tatsachenbehauptung unmittelbar vor die Füße fiel: Ich hatte gerade aus alten Mythen, dem Vergleich der Gesellschaft bürgerlichen Rechts mit dem „Beuteverteilungsschlüssel“ der Pygmäen und aus dem Phänomen des „gegenseitigen Vertrages“ auf das dem Menschen eigentümliche reziproke Verhalten geschlossen, da berichtet die Zeit am 31.5.2000 unter dem Titel: „Der Mensch, kein Egoist“, von Forschungsergebnissen der Universität Zürich, die dieses bestätigen. Jeder kann sie über das Internet abfragen. Besonders aufschlußreich, aber auch schwer zu lesen ist die Arbeit von Armin Falk: homo reciprocans versus homo oeconomicus.

Und damit ist nach gut und gern zweieinhalb Jahrtausenden die theoretische und empirische Brücke zu den Erkenntnissen des großen chinesischen Philosophen Konfuzius geschlagen: Konfuzius antwortete auf die Frage seines Schülers Zi-gong, ob es ein Wort gäbe, das ein ganzes Leben lang als Richtschnur des Handelns dienen könnte, mit den Worten: „Das ist gegenseitige Rücksichtnahme. Was man mir nicht antun soll, will ich auch nicht anderen Menschen zufügen.“ (Gespräche XV, 24)

Nun schickt sich aber George Bush an, seinen Landsleuten den Befehl zu erteilen, unsere Mitmenschen im Irak willkürlich auszuwählen und zu töten. Im militärischen Sprachgebrauch heißt das euphemistisch: Ziel auffassen und zerstören. Was man mir nicht antun soll, will ich auch nicht anderen Menschen zufügen. – Das ist mehr als der bekannte Spruch: „Was Du nicht willst, das man Dir tu, das füg auch keinem anderen zu!“ – Es ist die weise Selbstbeschränkung, die verinnerlichte und unbedingte Beachtung des Übermaßverbots. – George W. hat in seiner Zeit als texanischer Gouverneur wiederholt nachgewiesen, daß ihm derartige Überlegungen fremd sind. Deswegen mag er jeden Sonntag in die Kirche gehen und lauthals „Hosianna“ und „Halleluja“ singen,; das befreit ihn nicht von dem Vorwurf der Gottlosigkeit, den man sich einhandelt, wenn man den Pilatus spielt und Gnadengesuche ablehnt.

Man kann die Worte des Konfuzius auch anders ausdrücken: Niemand hat das Recht, George W. umzubringen, aber auch er hat nicht das Recht, andere zu töten oder den Befehl dazu zu geben. Gibt er den Befehl, stellt er sich außerhalb der Rechtsgemeinschaft aller Menschen, und ab diesem Zeitpunkt sind er und alle, die seinem Befehl folgen, jeglicher Rechte gegenüber den Angegriffenen entkleidet. Das ist die Konsequenz des urtümlichsten aller Menschenrechte, nämlich des Notwehrrechts. Kein Bewohner des Planeten Erde hat gegenüber Angriffen auf seine Menschenrechte eine Duldungspflicht; erst recht dann nicht, wenn es um sein nacktes Überleben geht. Und der Angriffsbefehl beinhaltet auch einen ungerechtfertigten Angriff auf die Menschenrechte des „eigenen“ Soldaten. – Ist denn das so schwer zu verstehen?!

Und George W. geht ja noch weiter in seinem Verrat am christlichen Glauben: Er lügt, daß sich die Balken biegen. Der „Kampf gegen die Achse des Bösen“ war für George W. kein Wahlkampfthema. Erst nach dem 11.9.2001 fiel ihm ein, daß die Menschen im Irak möglicherweise auch Menschenrechte haben könnten, die zu „verteidigen“ sich lohnen könnte. Vor dem elften September gab es keine „Achse des Bösen“, die George W. zu bekämpfen gedachte. Wenn er nun beharrlich behauptet, daß Saddam über „Massenvernichtungsmittel“ verfüge und diese „verheimliche“, besteht angesichts der Geschichte die Möglichkeit, daß die USA Herrn Saddam anläßlich des I. Golfkrieges massiv mit chemischen und biologischen Waffen versorgt hatten. Wider Erwarten wurden die gelieferten Waffen im Golfkrieg gegen den Iran dann doch nicht eingesetzt und sind heute „verschollen“. – Ja Herrgott, wo sind sie denn geblieben? – Bei diesem Szenario würde es mich nicht wundern, wenn das Team des „Weißen Hauses“ herumläuft wie ein Hühnerhaufen und über betagte Lieferscheine gackert: Senfgas, VX, Tabun, Zyklon B, Anthrax, Pocken….

Die Amtsvorgänger des George W. und deren vormalige Moskauer Gegenspieler hielten gern die Fäden in der Hand und ließen die Puppen nach ihrem Willen tanzen. Man nannte das damals „Marionettenregime“. Als ein solches war auch Saddam ursprünglich von den Verantwortlichen in Washington gedacht. – Aber Saddam schnitt die Fäden durch und eröffnete seine eigene Puppenkiste.

Die Computeranimation hat das Puppenspiel abgelöst, heute gibt man die „Befehle“ per Mausklick oder per <Enter>-Taste:

„Walle! walle manche Strecke, daß, zum Zwecke, Wasser fließe und mit reichem, hohem Schwalle zu dem Bade sich ergieße.“ <Enter>

– Schon Goethe warnte vor einer gewaltsamen Lösung, wenn man die Geister, die man rief, nicht mehr loswird: Der Versuch des „Zauberlehrlings“, den eimerschleppenden Besen gewaltsam zu „entwaffnen“, verdoppelte das Problem (Bifurkation!): „Und sie laufen! Naß und nässer wird’s im Saal und auf den Stufen, welch entsetzliches Gewässer!“ – Man soll als Zauberlehrling eben keine Maschinerie in Gang setzen, wenn man den „Aus“-Knopf nicht kennt: „In die Ecke Besen! Besen! Seids gewesen! Denn als Geister ruft euch nur, zu seinem Zwecke, erst hervor der alte Meister.“ – Die Bilder der logistischen Funktion belegen, daß der Mensch nicht der Meister ist, sondern der Lehrling – in der ersten Minute der ersten Stunde des ersten Tages des ersten Lehrjahres.

Im nahen Osten hießen die Besen zweifellos Saddam Hussein und Osama Bin Laden: „Und nun komm, du alter Besen, nimm die schlechten Lumpenhüllen! Bist schon lange Knecht gewesen: Nun erfülle meinen Willen!“, denn nimmt man George W. Bush und seine Amtsvorgänger und personifiziert sie als „der amerikanisch Präsident“, sind die Ähnlichkeiten mit Goethes Phantasiegestalt verblüffend: „O, du Ausgeburt der Hölle! Soll das ganze Haus ersaufen? Seh ich über jede Schwelle doch schon Wasserströme laufen. Ein verruchter Besen, der nicht hören will! Stock, der du gewesen, steh doch wieder still!“ – Walt Disney hat in seinem Film „Phantasia“ die Rückkopplungsschleife, die Goethe nur andeutet, vollständig dargestellt.

Der deutsche Namensvetter des amerikanischen Präsidenten vertritt bezüglich Krieg und gewaltsamer „Entwaffnung“ nach wir vor folgenden Standpunkt:

Ganz unverhofft an einem Hügel

trafen einst sich Fuchs und Igel.

Halt! rief der Fuchs, du Bösewicht,

kennst du des Königs Ordre nicht?

Ist nicht der Frieden längst verkündigt

und weißt du nicht, daß jeder sündigt,

der immer noch gerüstet geht?

Im Namen seiner Majestät:

Geh her und übergib dein Fell! –

Halt! – sprach der Igel, nicht so schnell.

Laß dir erst deine Zähne brechen,

dann wollen wir uns weitersprechen.

Und schnell macht er sich kugelrund,

schließt seinen dichten Stachelbund.

Und trotzt getrost der ganzen Welt –

bewaffnet, doch als Friedensheld.

Wilhelm Busch hat das Aufflammen des Konflikts im Nordirland des ausgehenden zwanzigsten Jahrhunderts nicht miterleben können. Ein Dichterkollege Buschs hat jedoch in der Ballade „Joe McDonnel“ die Antwort des Igels in die Gretchenfrage des „Terroristen“ an die Hegemonialmacht verwandelt. – Wie hätte Busch wohl die nachfolgenden Zeilen ins Deutsche übertragen? :

And you dare to call me a terrorist

while you lock down your gun?

– When I think of all the deeds that you have done:

You have plundered many nations

divided many lands

You have terrorized their peoples

you ruled with an iron hand

and you brought this reign of terror

to my land.

(Und Ihr wagt es, mich einen Terroristen zu nennen, während ihr eure Waffe entsichert ? Wenn ich an all die Taten denke, die ihr getan habt. Ihr habt viele Nationen ausgeplündert, viele Länder geteilt, ihr habt deren Völker terrorisiert, ihr habt mit eiserner Hand regiert. Und ihr brachtet diese Herrschaft des Terrors in mein Land.)

Terroristen brauchen keine nuklearen, keine biologischen oder chemischen Kampfstoffe. Im Gegensatz zum Militär ist es nicht Ziel von Terroristen, möglichst viele Menschen zu töten, es ist vielmehr deren Ziel, mit dem geringst möglichen Aufwand den größtmöglichen Schrecken zu verbreiten. Wie man unschwer erkennen kann, ist das am 11.9.2001 in hervorragender Weise gelungen. Der Terror ist zum Selbstläufer geworden. Jeder Pups, den Bin Laden läßt, potenziert sich in den Medien zum potentiellen Gasangriff. Terroristen brauchen nicht einmal mehr Waffen. Sie brauchen nur noch Informationen über angebliche Waffen und „geplante“ Anschläge an den richtigen Stellen zu deponieren, um ganze Regierungen und Verwaltungsapparate vor sich herzutreiben. Mitunter tut es auch ein Tütchen Backpulver oder Trockenhefe, wenn es nicht als solches ausdrücklich gekennzeichnet ist. Und was meinen Sie, wie sich die Nachrichten überschlagen werden, wenn ein Sprühflugzeug über Frankfurt oder Berlin auftaucht und gewöhnlichen „Federweißen“ versprüht. Allein der Nachweis, daß es sich bei den „freigesetzten“ Mikroben tatsächlich um gewöhnliche Weinhefe und nicht um biologischen Kampfstoff handelt, würde Wochen in Anspruch nehmen und das öffentliche Leben geradezu auf den Kopf stellen. Da man die „Waffen“ für ein paar Cent bei Aldi kaufen kann, ist „Terrorismus“ billiger denn je:

Denn immer wieder wird der „Terror“ durch den „Terror der Aktualität“ überholt. In seinem 1971 erschienenen Band „Widersprüche“ setzte Jean Améry den Aufsatz „Terror der Aktualität“ an die Stelle eines Vorworts und schreibt:

„Wir alle, groß und klein, die wir die Verläufe (der Verwandlungen in der Welt – Anm. d. Verf.) deuteten und um der Deutung willen Zeit drangeben mußten, weil man nun einmal nicht denken kann, wenn man nur hypnotisierten Blicks die Bahnen der Informationsgeschosse verfolgt – wir alle liegen hinten nach und haben nun das Nachsehen“(…)„Wenn also, um ein »aktuelles« Beispiel heranzuziehen, ein Roman wie Erich Segals »Love Story« von den Medien allseitig beleuchtet und interpretiert wurde, dann fühlten die Informatoren sich gehalten, so zu tun, als begänne mit Segal eine neue Epoche erotischer Romantik. Die Wochenzeitschrift »Time« ging gleich aufs Ganze und kündigte in fast solenner Form diese Kehre all-amerikanischen Liebesverhaltens an. Auf solche Weise entsteht dann das, was – in anderem Kontext – der amerikanische Soziologe Daniel Boorstin »pseudoevent« genannt hat. Es kann aber diesem von den Medien zwar nicht fabrizierten, aber ins Enorme geblähten Pseudo-Ereignis kaum jemand sich entziehen, zumal ja immer erst post eventum fixiert werden kann, wie hoch der Realitätsgrad (will sagen: Durabilität, geschichtliches Weiterwirken) eines Begebnisses ist.“ (J Améry „Widersprüche“ Stuttgart 1971)

Der „pseudoevent“ von Moskau bietet den Propagandaministern der „freien“ Welt Anlaß genug, die Angst vor chemischen und biologischen Kampfstoffen in der Hand eines Saddam Hussein zu schüren. Die Herren, denen sie dienen, setzten aber selbst chemische Kampfstoffe unter dem Deckmantel der „Terroristenbekämpfung“ in der skrupellosesten Art und Weise ein, die man sich nur ausdenken kann, nämlich ohne Rücksicht auf eigene Verluste.

Diese Zeilen sind wenige Monate alt, ich hatte sie anläßlich des „Geiseldramas“ von Moskau verfaßt.

Daraus folgt, daß wir uns in Zukunft auf eine Art Verbalterrorismus einzustellen haben. – Nachrichten, die jeder Grundlage entbehren, Angst und Schrecken verbreiten, den Regierungen aber den Vorwand liefern, noch mehr Freiheitsrechte einzuschränken. Und all das verschlingt immense Summen…. Sie glauben mir nicht? – Dann möchte ich Sie doch bitten, einmal all die Statements, die Bundesgummiknüppel Otto Schily anläßlich der wechselnden „Bedrohungslagen“ für „Deutschland“ seit dem 11.9.2001 abgegeben hat, zusammenzutragen und an eine Pinwand zu heften. Wann – bitteschön! – gab es in den vergangenen anderthalb Jahren einen Angriff von Al Qaida – Terroristen in Deutschland?

– Es sieht ganz danach aus, als könne der Wahnsinn des Krieges nur noch durch eine Kugel in die Stirn des George W. aufgehalten werden. Aber vielleicht verhält es sich ja wirklich so, wie ich orakelt hatte: „Caesar bräuchte heute die Iden des März nicht mehr zu fürchten, er würde am Zeitungskiosk erledigt.“ – Und genau das, es kristallisiert sich immer mehr heraus, ist die Aufgabe einer freien Presse: Caesaren erledigen. Und Aufgabe der Justiz wird es sein, die Caesaren schadlos zu „entsorgen“.

Natürlich können Sie alles, was Sie bisher gelesen haben, für völligen Quatsch halten. Das ist Ihr gutes Recht. (…) Man sagt, in Irland sei die unsichtbare Wand, die zwischen den Menschen und den eherjenseitigen Teilen dieser Welt steht, besonders dünn. Ich kann diese Behauptung nicht mehr qualifiziert bestreiten:

Der Nationalheilige Irlands, St. Patrick, soll seinen Landsleuten die Dreifaltigkeit Gottes anhand eines Kleeblatts erläutert haben. Deswegen ist das Kleeblatt Irlands Nationalsymbol. Nun nehme ich das Kleeblatt des St. Patrick und erläutere die Prinzipien der Evolution: Kommunikation (Verständigung), Kooperation (Zusammenarbeit) und Harmonie. – Zufall?

Da gibt es keinen „Kampf ums Dasein“, keine „Selektion“. – Beides sind Projektionen menschlichen Verhaltens in die Natur; ein für Charles Darwin unvermeidlicher Irrtum, weil bis heute das Lieblingskind der Physiker, die Mechanik, eifrig in die Natur projiziert wird. Aber in der Natur gibt es keine Mechanismen, es gibt nicht einen einzigen Mechanismus. Nicht in der Quantenphysik, nicht in der „Himmelsmechanik“. In der Mechanik bewegt sich nämlich nichts, aber auch rein gar nichts, wenn nicht ein mechanischer Gegenstand mit einem nichtlinear-dynamischen System in bestimmter Weise in Wechselwirkung tritt. Und mechanische Systeme sind katastrophenanfällig: Autos, Eisenbahnen (Eschede!), Flugzeuge und Schiffe. – Auch Hochhäuser und Raumfähren. Und sehr zu Leidwesen der Physik, die sich mit Vorliebe den reversiblen (umkehrbaren) Vorgängen widmet, wird es diese letztlich nicht geben: Die Erde dreht sich, sie umkreist die Sonne, diese wiederum umkreist das Zentrum der Milchstraße. Die Milchstraße ihrerseits bewegt sich von den anderen Galaxien fort. – Und alles mit sehr hohen Geschwindigkeiten. Legt man nun ein gigantisches kartesianisches Koordinatensystem über das Universum, stellt man unschwer fest, daß kein Teilchen an den Ort zurückkehren kann, an dem es sich jetzt befindet. Das dürfte der innere Grund für die Heisenbergsche Unschärferelation sein, wonach es unmöglich ist, Ort und Impuls eines Teilchens gleichzeitig zu ermitteln. Und dennoch scheint im Universum eine strenge Ordnung zu herrschen. Der Schein aber trügt. Bei all den Dingen, die uns umgeben, dürfte es sich letztlich um Interferenzmuster handeln. Wenn Das Johannesevangelium mit den Worten beginnt: „Im Anfang war das Wort“, so ist dies nicht unzutreffend. Denn das Wort ist nach dem Baukastenprinzip organisiert. Das Wort ist Teil der Sprache. Die Sprache ihrerseits ist nach meinen Feststellungen ein nach dem Baukastenprinzip organisiertes System zur hochauflösenden akustischen Übermittlung von Bildern. Das Baukastenprinzip findet sich auf allen Größenskalen dieser Welt wieder, bis hinunter in die Welt einzelner Energiequanten. Und wir finden es wieder in den Gesetzen, die der „Gesetzgeber“ erläßt. Und – wie sollte es anders sein? – auch die Welt der Jurisprudenz ist geprägt vom Bifurkationsmuster der Prozesse. Und es ist durchaus kein Zufall, wenn das Bifurkationsmuster, an dessen Ende das richterliche Urteil steht, „Erkenntnisprozeß“ genannt wird. Und genau da, bei der richterlichen Urteilsbildung verläuft die Grenze menschlicher Erkenntnismöglichkeit. Wir können nicht wirklich „wissen“, was in und mit der Welt los ist, wir können uns nur Urteile bilden. Leider ist die Rechtswissenschaft die einzige Wissenschaft, die die eigene Unzulänglichkeit anerkannt und als „Rechtskraft“ institutionalisiert hat. Ein Urteil kann richtig oder falsch sein; ist es aber einmal rechtskräftig, kann es nur unter sehr engen Voraussetzungen wieder aus der Welt geschafft werden. Demgegenüber können die Urteile der Naturwissenschaften nie in Rechtskraft erwachsen, weil sich die naturwissenschaftlichen Erkenntnismöglichkeiten ständig erweitern und verändern. Naturwissenschaften zu betreiben, heißt demnach, einen schier endlosen Erkenntnisprozeß zu führen, Zwischenurteile zu fällen, aber nie zu einem Endurteil gelangen zu können.

Mit einem „Erkenntnisprozeß“ besonderer Art beschäftigt sich auch die Offenbarung des Johannes:

Mit Offenbarung 20, 1 beginnt das „Tausendjährige Reich“, mit Offenbarung 20,11 wird die Verhandlung des Jüngsten Gerichts eröffnet, beide sind untrennbar verklammert durch Offenbarung 20,7, denn da wird der am Ende des „Tausendjährigen Reiches“ der Teufel so richtig losgelassen….

Und nun kommen wir langsam zum Schluß, ich konfrontiere Sie nunmehr mit den letzten(?) Dingen:

An deren Anfang stehen zwei Hunde: Im August 1996 brachte meine Frau eine kleine Hündin mit aus dem Urlaub, die eigentlich nur aus Beinen bestand. Aus unerklärlichen Gründen, aber wohl durch ihre Beine und ihren herausfordernd-unschuldigen Augenaufschlag inspiriert, hatte meine Frau sie „Madonna“ genannt. Madonna wurde unser Hund Nummer drei. Neun Monate später begegneten wir am Strand von Mil Palmeras unserem Hund Nummer vier: Es würde an dieser Stelle zu weit führen, die ganze Geschichte eines Hundes zu erzählen, der offensichtlich bewußt sein „Herrchen“ wechselte; denn es reicht, daß wir nach zwei Wochen den wirklichen Namen unseres „Tristan“ erfuhren: Bobby. ­ – Der Name meines Vaters! – Und jetzt wird es erst richtig mysteriös:

Als ich meine Reise durch die Evolution startete, war mir klar, daß ich Sprengsätze an die Grundfesten des mir eingetrichterten Weltbildes würde legen müssen. Die Zerstörung des Ptolemäischen Weltbildes durch die Astronomen, die Reformation und Darwins großartige Arbeit zeigen, daß das jeweils herrschende Weltbild sich gegen den eigenen Untergang mit Händen und Füßen, mit Zähnen und Klauen zur Wehr setzt. Die Schmähungen, die ein Dr. Semmelweis erfahren mußte, als er versuchte, Sauberkeit in die Krankenhäuser zu bringen; die erbitterte Ablehnung, auf die Alfred Wegener stieß, nachdem er seine Arbeit über die Kontinentaldrift veröffentlicht hatte, sind nur wenige Beispiele für die unendliche Reihe unerbittlicher Abwehrschlachten, die obsolete Weltbilder zu schlagen bereit sind.

Nachdem mir gedämmert hatte, daß einer der „Sprengsätze“ auch den heiligen Stuhl erfassen könnte, versah ich meinen Sachbericht mit einer Art „Eingangsplädoyer“, wie man es aus amerikanischen Gerichtsserien kennt. Freilich verkannte ich die mir zugedachte Prozeßrolle, denn ich eröffnete mit folgenden Worten:

Jüngstes Gericht!

Ja, ich habe die Krone der Schöpfung kaputt gemacht, mit einem Steinwurf. Aber ich konnte nichts dafür, daß der Stein getroffen hat. Vielleicht habe ich auch den Homo sapiens sapiens[1] auf dem Gewissen, trotzdem kann ich ruhig schlafen. Ich habe Homo sapiens sapiens zwar zu fassen versucht, aber als ich seiner habhaft werden wollte, war er verschwunden wie das Einhorn.(…)

Und nun zum Steinwurf:

Es war einer jener lichtdurchfluteten Sommersonntage des Jahres 1999. Wie üblich unternahm ich mit meinen Hunden Bobby und Madonna einen ausgedehnten Spaziergang durch die Felder. Während Madonna einem ihrer Hobbys nachging, nämlich dem untauglichen Versuch, Wühlmäuse oder Maulwürfe auszugraben, forderte Bobby mich unmißverständlich auf, Stöckchen oder Steine zu werfen, denen er dann nachjagte. Auf diese Weise hatte ich den Hund zu einer Reihe von Sprints veranlaßt, bis er plötzlich mitten im Lauf innehielt, die Richtung wechselte und das nächste schattige Plätzchen aufsuchte. Dort legte er sich hin und hechelte, was das Zeug hielt. Ab und zu rutschte er einen Meter vor, weil ihm der Boden unter dem Bauch buchstäblich zu heiß geworden war. Mehr als eine halbe Stunde versuchte der Hund verzweifelt, seine überschüssige Wärme an die warme Luft abzugeben. Mir war auch warm geworden, aber ich hatte es einfacher: ich zog mein Hemd aus und schwitzte vor mich hin. – Wasser, das ich dem Hund hätte geben können, war nicht in der Nähe; ich muß wohl irgendwie versucht haben, ihn durch eine dumme Bemerkung aufzuheitern, jedenfalls entfuhr mir der Satz: „Siehst Du, Dicker, das ist der Nachteil, wenn man ein Fell hat.“ Ich blickte in die mitleiderregenden Augen meines Hundes, der augenscheinlich hilf- und wehrlos auf dem Boden lag, sah aber einen Trupp kleiner Männchen. Es waren aber keine kleinen grünen Männchen, sondern dunkelhäutige, die ein unbekanntes Tier, das erheblich größer war als sie selbst, durch dessen eigene Körperwärme zu Boden gezwungen hatten. Damit war für mich eine Frage beantwortet, die nicht erst seit Charles Darwin Biologen in aller Welt beschäftigt, nämlich warum wir Menschen kein Fell haben.

Für mich jedenfalls stand seitdem fest, daß der Prozeß dessen, was wir als „Menschwerdung“ bezeichnen, untrennbar mit der merkwürdigen Gestaltung unserer Körperoberfläche verbunden sein mußte. Ein nach besten Kräften hechelnder Hund ist freilich kein Beweis für eine solche Behauptung. Weitere Beweismittel hielt die Gegenwart auf den ersten Blick nicht zur Verfügung. Folglich unternahm ich eine Reise in die Vergangenheit.

(…)

Das Leben als Australopithecus hat freilich auch Vorteile, denn – um vorab nur ein Beispiel zu nennen – eine der wesentlichen Errungenschaften der Aufklärung, nämlich die Menschenrechte, erscheinen plötzlich als Grundbedürfnisse des Menschen, die im Verlaufe der Kulturgeschichte unter die Räder kamen. Sie gehören damit zur Natur des Menschen und nicht zu seinem kulturellen Überbau. Man kann sie negieren und auch zeitweise gewaltsam unterdrücken. Sie sind dennoch allgegenwärtig wie der Sex – und den hat schließlich auch keiner abschaffen können.

Was Staaten anbelangt, so werden langfristig nur die überleben können, die ein demokratisch verfaßtes Gemeinwesen repräsentieren, sehr wahrscheinlich wird die Verfassung dieser Gemeinwesen nur das sogenannte Mehrheitswahlrecht kennen und Parteien nur eine untergeordnete Rolle spielen. Deren Einfluß wird auf das für notwendige Polarisierung erforderliche Maß reduziert sein. Mit Australopithecinen ist eben auf lange Sicht kein anderer Staat zu machen. Es wird freilich noch lange dauern, bis die Menschheit das Machtstreben und die Herrschsucht ihrer Häuptlinge auf ein gesundes Maß zurechtgestutzt und unter Kontrolle gebracht hat.

In der Welt des Australopithecus ist kein Raum für Rassismus; dieser schrumpft auf die Dimension einer Familienfehde. Denn aus der Sicht des Australopithecus ist auch der „weiße Mann“, diese merkwürdige „Herrenrasse“, nichts anderes als ein verkrüppelter Neger; der „Weiße“ ist unvollständig, weil ihm Hautpigmente fehlen. Die Auseinandersetzungen zwischen Israelis und Palästinensern, zwischen Hutus und Tutsis erscheinen als ins Groteske übertriebener Bruderzwist. – Und damit steht dieser Konfliktherd nicht allein da. – Allerdings, erst wenn diese Erkenntnis Eingang in die Köpfe unserer Mitmenschen gefunden hat, können Schwerter zu Pflugscharen werden.

Damit aber ist in absehbarer Zeit nicht zu rechnen, deshalb wird die Menschheit bis dahin noch einen unermeßlichen Blutzoll zu zahlen haben; für den sind weniger die Völker, desto mehr aber deren „Repräsentanten“ verantwortlich. Dennoch wird die Natur sich nicht aufhalten lassen; nicht einmal die nuklearen Knallfrösche sind in der Lage, alle Menschen zu vernichten.

Als Referendar hatte ich nicht nur in den Räumen des Europarats laut darüber nachgedacht, daß auch „der Henker ein Recht auf Arbeit haben könnte“; ich hatte auch gefrozzelt, daß Anwälte nicht sterben können, sie bekämen lediglich ihre Zulassung zum Jüngsten Gericht.

Ich hätte es mir im Traum nicht einfallen lassen, noch zu Lebzeiten die Rolle des „Chefanklägers“ beim „Jüngsten Gericht“ übernehmen zu müssen. – Aber ich muß sie wohl oder übel akzeptieren:

Nehmen wir zu Protokoll: Die Revision des Verfahrens Darwin ./. Schöpfung begann an einem Sommersonntag des Jahres 1999 mit einem Steinwurf. Am 6.2.2001 wurde die Revisionsschrift durch St. Pankratius (Nievenheim) an das Jüngste Gericht übermittelt. Am Tag, als Englands Kühe Feuer fingen, sprach die Maul- und Klauenseuche das Urteil:

1. Der Mensch wird verurteilt, den Namen homo sapiens sapiens abzulegen und künftig den Namen australopithecus superbus procrustes zu führen.

2. Der Mensch wird verurteilt zu unterlassen, den zweiten Hauptsatz der Thermodynamik zu verletzen, zu mißachten oder im Einzelfall für unanwendbar zu erklären. Für jeden Fall der Zuwiderhandlung wird eine Katastrophe unbestimmten Ausmaßes angedroht.

Am 11.9.2001 wurde diesem Urteil vor den Augen der Welt das Rechtskraftzeugnis erteilt. – Es ist schon merkwürdig, daß die „Urkundsbeamten der Geschäftsstelle“ sich selbst als „Gotteskrieger“ bezeichneten.

Und seit dem 11.9.2001 befindet sich das Urteil in der Phase der Vollstreckung. – Ob es richtig oder falsch ist, interessiert nicht mehr, – es ist rechtskräftig. Damit ist es unabhängig von allen menschlichen Regungen ohne jedes Erbarmen zu vollstrecken. – Und in der „aufgeklärten“ und „westlichen“ Welt scheint es keinen dafür geeigneteren „Vollstrecker“ zu geben als

George W. Bush.

Er hat sich für diesen Posten schließlich durch seine Tätigkeit als Gouverneur von Texas als hervorragend geeignet erwiesen, er hat Todesurteile gleich Dutzendweise vollstrecken lassen. Diesmal aber wird er das Urteil zu Ziffer 1.) an sich selbst vollstrecken, denn er schickt sich an, so zu handeln, wie man es von einem überheblichen Südaffen, der sich mit Gewalt alles passend macht, erwartet: er schickt sich an, „den Irak“ auf das Prokrustesbett zu legen.

Zur Auffindung eventueller „X-Faktoren“ stelle ich gern mein Blut zur Verfügung. Das größte Problem für Gentechniker bei der „Entschlüsselung“ meines „Genoms“ wird sein, die einzelnen Gene nach „Nationen“ zu trennen. Mütterlicherseits mendelten bei mir nämlich noch Holländer und Franzosen mit. Nun sagen die Genetiker, daß die DNA der Mitochondríen nur von der Mutter vererbt werden können. Welchen natürlichen „Paß“ haben deren Gene? – Bin ich trotz der obigen Ausführungen, die einen deutlichen Hinweis auf die Grüne Insel in sich tragen, nach dem genetischen „Paß“ vielleicht doch nur Holländer oder französischer Käse? Nach „Nationen“ geordnet, bin ich entweder der „Bastard“ par exellence – oder aber ich habe Europa in den Genen. – Sie können sich das aussuchen. – Sie sehen, daß viele Dinge, die für wichtig gehalten werden, nämlich Nationalität, Staatsangehörigkeit und ähnlicher Unsinn, nichts mit der Welt, in der, mit der und von der wir leben, zu tun haben.

Nach allem stelle ich einmal eine Frage, die mit mir nichts zu tun hat: Was ist der „freien Presse“ wichtiger:

Die Nachrichten über einen unnötigen Krieg, darauf fußend die Nachrichten aus einem unnötigen Krieg, beides basierend auf durchsichtiger Propaganda der Politik?

Oder aber ist die Wahrheit wichtiger, die zur „Erledigung“ der Caesaren führt? – Sie erinnern sich: : „Caesar bräuchte heute die Iden des März nicht mehr zu fürchten, er würde am Zeitungskiosk erledigt.“ – Und genau das, es kristallisiert sich immer mehr heraus, ist die Aufgabe einer freien Presse: Caesaren erledigen. Und Aufgabe der Justiz wird es sein, die Caesaren schadlos zu „entsorgen“.

Ich hatte es an anderer Stelle bereits hervorgehoben: Die Pressefreiheit ist der Unabhängigkeit des Richters ebenbürtig. Ein Richter wird sauer, wenn man ihn belügt. Die Verletzung der prozessualen Wahrheitspflicht ist aus gutem Grund strafbewehrt. Bislang haben die „Medien“ klaglos hingenommen, daß sie von „denen da oben“ nach Strich und Faden belogen werden. Sie „verbiegen“ die Wahrheit für ein Interview. – Ich esse für mein Leben gern Linsensuppe, aber für ein Linsengericht würde ich die Freiheit meiner Berichterstattung nicht hergeben.

Prof. Dr. Christian Hillgruber stellt in seinem Beitrag „Scheinbares Wohlbefinden“ fest, daß das Aussprechen der Wahrheit durch die Medien selbst ein Medienereignis ersten Ranges darstellt, weil es eben nicht dem Erwartungshorizont entspricht, sondern aus dem Rahmen fällt. Und wenn ein renommierter Staatsrechtler meiner Alma Mater diese Wahrheit ausspricht, dann sollte Sie das verdammt nachdenklich stimmen.

Wenn die „freie“ Presse Propaganda nicht „bestraft“, degradiert sie sich selbst zum „Völkischen Beobachter“, zum „Neuen Deutschland“, zur „Prawda“ und schaut zu, wenn Tausende den Popanz, den die Propaganda der Politik aufbaut, mit dem Leben bezahlen! – Ist Ihnen das die „Berichterstattung“, die Auflage wert?

Ich habe meinerseits alles Erforderliche getan, um drohenden Schaden abzuwenden. Mehr Mittel als das Urteil, das ich mir habe bilden müssen, stehen mir nicht zur Verfügung. Jetzt lege ich die Verantwortung der Verkündung in Ihre Hände. – Mal sehen, was Herr Hillgruber dazu sagt.

Und ausgerechnet heute, an dem Tag, an dem die letzten Zeilen dieses Briefes geschrieben werden, finde ich unter Ihren Leserbriefen die apolalyptischen Gedanken Erich Kästners: Das letzte Kapitel. – Zufall?

Mit freundlichen Grüßen

 

 

DIE WELT
Z. Hd. Herrn Chefredakteur
Jan-Eric Peters
Brieffach 24 10
10888 Berlin
22.02.03

Columbia als Menetekel (DIE WELT vom 10.02.03)

(Nachtrag zu meinem Schreiben vom 20.02.03)

Sehr geehrter Herr Peters,

Mein o.a. Schreiben war wieder einmal weniger als 24 Stunden auf dem Postweg, da ereignete sich in New York nicht nur eine spektakuläre Manifestation des 2. Hauptsatzes der Thermodynamik, die Anzahl der Ereignisse hatte sich verdoppelt. Alles Zufall?

Ich bin kein Mathematiker und kein Statistiker. Aber die Wahrscheinlichkeit dürfte sehr gering sein, daß im Angesicht eines drohenden Krieges vor der unwiderstehlichen Gewalt des 2. Hauptsatzes gewarnt wird und unmittelbar darauf eine Raumfähre abschmiert – mit sieben Astronauten an Bord. Wie wahrscheinlich ist es, daß das Verglühen gerade die Raumfähre trifft, die den ersten Astronauten beherbergt, der die israelische Staatsbürgerschaft besitzt?

Irgendwo in Ihrem Hause dürfte jemand aufzutreiben sein, der berechnen kann, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, daß keine drei Wochen später erneut vor der Macht des 2. Hauptsatzes gewarnt wird und binnen weniger als 24 Stunden nach Postversand gleich zwei spektakuläre Feuer entstehen, die über die Tatsache der Verdoppelung hinaus beide auf dem „Blindgängereffekt“ beruhen. Und wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, daß beide Ereignisse am selben Tage in New York eintreten? – Und wie wahrscheinlich ist es, daß dies quasi an dem Tag geschieht, an dem festgestellt wird, daß das Verhalten der Regierung der USA dem vom Goethes „Zauberlehrling“ bis aufs Haar gleicht?

Und auch bezüglich meiner Feststellung, daß die deutschen Medien nicht einmal mitbekommen, daß unser „Staat“ massiv in die Pressefreiheit eingreift, lieferte mir Ihre Zeitung den Beweis: Schauen Sie nur mal auf das Titelblatt der Ausgabe vom 31.1.2003.

Mit freundlichen Grüßen

 

 


[1] Biologischer Name des heutigen Menschen (dt. der weise, weise Mensch)

Posted in Leserbriefe an DIE WELT | Leave a Comment »

DIE WELT und die Steuern – Ausgabe 1984

Posted by Gerhard Altenhoff - Juli 10, 2007

Lieber Graf Hohenthal,

 

diese Worte hätte ich aus der Feder eines deutschen Journalisten nun wirklich nicht erwartet:

Auch wenn es Eichel nicht einsieht:

Es geht um Notwehr gegen einen Staat, der einfach nicht aufhören will, den Leuten immer weiter in die Taschen zu greifen.

Diese Worte lasse ich mir ganz genüßlich auf der Zunge zergehen, und zwar aus folgendem Grund:

Im Jahre 1991 war ich für eine kurze Zeit Leiter des Rechtsamts in der Kreisverwaltung des Landkreises Rügen. Gemeinsam mit dem ehemaligen stellv. Bürgermeister der Stadt Bergen/Rügen, Claus Königsmark, deckte ich diverse Unverträglichkeiten des Handelns von Inhabern öffentlicher Ämter mit dem deutschen Strafgesetzbuch auf. Die Verhaltensmuster, denen wir damals begegneten, erkannte ich sofort wieder, als die „Parteispendenaffäre“ anfing, dieses unser Land zu erschüttern. – Das Land war erschüttert, ich fing indes ungerührt an, meine Beobachtungen niederzuschreiben. Schnell entstand aus einer bissigen Bemerkung meinerseits der Titel des Manuskripts: Der Bundesadel.

Ich darf zitieren, was ich vor vier Jahren niedergeschrieben hatte:

Wenn ich Ihnen ungefragt einen guten Rat geben darf, schließen Sie einen Vertrag über private Altersvorsorge nur ab, wenn Sie von Ihrem Anlageberater und dem Vorstand der Bank oder Versicherung eine verbindliche und unwiderrufliche Erklärung in Händen haben, Ihnen im Katastrophenfall Unterhalt zu gewähren

(Die „Versicherungskrise“ war damals noch Zukunftsmusik, aber, weil auch die „Wirtschaft“ den Regeln nichtlinearer Thermodynamik unterworfen ist, bereits abzusehen.)

Das wird niemand aus der Branche tun, also versuchen Sie es bei Ihrem Bundes- oder Landtagsabgeordneten. Aber auch dort werden Sie mit Ihrem Ansinnen scheitern. Aber wer zahlt im Falle des Falles Ihre Rente?

Trotz dieser ungeklärten Frage propagieren unsere Politiker lauthals die private Alters- und Krankenvorsorge. Die sollten sich lieber um eine grundlegende Reform der sozialen Sicherungssysteme kümmern. Allzu leicht wird vergessen, daß das deutsche Sozialversicherungssystem sich als außerordentlich katastrophenfest erwiesen hat. Es hat Wirtschaftskrisen, Währungsreformen und die Feuerstürme der beiden Weltkriege unbeschadet überstanden.

Die Stabilität dieses Systems resultiert aus dem Umlageprinzip und der unausrottbaren Neigung des Menschen, für Kranke und Alte zu sorgen. So einfach und urtümlich es erscheinen mag, das System hat alle erdenklichen Bewährungsproben bestanden; insbesondere den Untergang des Staates, der es geschaffen hatte. Daraus ergibt sich seine zukunftsweisende Bedeutung.

Adam Smith schrieb: „Da die Direktoren von Aktiengesellschaften eher mit anderer Leute Geld als mit ihrem eigenen wirtschaften, kann man wohl nicht erwarten, daß sie darauf mit der gleichen Wachsamkeit achten wie die Partner einer Personengesellschaft.“ – Dieses Urteil trifft auf Politiker ebenfalls zu.

Das deutsche Sozialversicherungssystem ist „personengestützt“ und beruht auf der Reichsversicherungsordnung. Es ist von seinem Aufbau her den selbstregulierenden Kräften des Marktes weitgehend entzogen. Sein Wohl und Wehe ist überwiegend von der demographischen Entwicklung und anderen gesellschaftlichen Prozessen abhängig. Deswegen ist die Anpassung der sozialen Sicherung eine der klassischen Domänen der Politik.

Das setzt nicht nur Organisationstalent voraus, sondern Ideenreichtum, Vorurteilsfreiheit und tiefes Verständnis für menschliche Schwächen, also Intelligenz. Die Behandlung des  Themas in Adelskreisen zeigt hingegen, daß die gefragten Qualitäten nicht vorhanden sind. Der Adel setzt statt dessen auf die klassischen Mittel des Obrigkeitsstaates: Er haut mit der Fliegenklatsche.

Jeder Pflichtversicherte, der zum Arzt oder in die Apotheke geht, erfährt es am eigenen Leibe; der Krieg, den Bundesregierung und Parlamentsmehrheit gegen Minijobs und Scheinselbständigkeit entfesselt haben, lassen es geradezu plakativ hervortreten: Wenn der Bürger sich nicht zur Kasse bitten läßt, dann wird der dorthin geprügelt. Hat das noch etwas mit Demokratie, mit Volksherrschaft zu tun? – In feudalen Staat war die Peitsche des Steuereintreibers zwar gang und gäbe, aber nicht Sinn der Sache.. Das wußte bereits K’ung-fu-tse, beßer bekannt als Konfuzius, der vor etwa 2.500 Jahren schrieb:“ Die Kunst der guten Regierung besteht schlicht darin, für das Glück seiner Untertanen zu sorgen.“

Bis dahin hatte sich seit dem Zeitpunkt, als die ersten Menschen die Bühne der Welt betraten, auch nicht viel geändert. Wie wenig Zeit überhaupt seitdem vergangen ist und wie vergänglich menschliche Organisationen sind, wird erst klar, wenn man die Zeit, die für unser Erleben dehn- und komprimierbar ist, in räumliche Dimensionen übersetzt.

Betrachten wir die belebte Natur als Fluß. Dieser nahm vor mindestens 3,5 Milliarden Jahren seinen Anfang. Erst bei einer Gleichsetzung von einem Millimeter für jedes Jahr gewinnt dieser Fluß ein vorstellbare Dimension. Liegt die Quelle 3,5 Mrd Jahre hinter uns, ist sie 3,5 Mrd. Millimeter von uns entfernt. 3,5 Mrd. Millimeter sind 3.500 Kilometer. – Etwa fünf Flugstunden; darunter kann man sich etwas vorstellen. Bei Stromkilometer 2.900 erscheinen die ersten mehrzelligen Organismen. Das Ende der Dinosaurier, die den Strom über 160 km beherrscht haben, liegt 65 km zurück. Vom letzten Neandertaler trennen uns 30 Meter, von Jesus Christus und Cäsar zwei Meter. Napoleons Marsch gen Moskau liegt knapp 20 cm von uns entfernt, Hitlers Angriff auf die Sowjetunion 5,9 cm. Die Ermordung Kennedys hat einen Abstand von 3,7cm, die Ära Kohl begann 1,8 cm von der Gegenwart entfernt. Sie war so breit wie Ihr Daumennagel. Sie selbst haben Gelegenheit, durchschnittlich 7,5 cm in diesem Fluß mitzuschwimmen. Nicht eben viel.

Wie gesagt, der Bundesadel setzt in seinem Verhältnis zu den Bürgern der Bundesrepublik zunehmend auf Deckelung und Repression. Repression des Staates gegen seine Bürger kann auf Dauer nicht gutgehen, denn Repression ist in der Geschichte letztendlich immer gescheitert. Immer! – Und zwar im Handumdrehen. Nehmen sie ein Lexikon oder Geschichtsbuch zur Hand: Die Sowjetunion erreichte eine Länge von 7,2 cm, der gesamte Ostblock brachte es auf gerade einmal 4,4 cm. Der „Eiserne Vorhang“ war von der ersten Öffnung der ungarischen Grenze bis zum Fall der Mauer nach 0,2mm bereits verschwunden, regelrecht weggesprengt. – Die Vollendung des Kommunismus durch Mao Tse-tung verlief nach wenigen Millimetern im Sande. Auch den islamischen Gotteßtaaten werden nach wenigen Zentimetern die Puste ausgehen.

Das alles ist auch nicht weiter verwunderlich, denn jeder Versuch des „Staates“, menschliche Schwächen kraft Gesetzes auszurotten, hat eine positive Rückkoppelung – und damit Chaos – zur Folge. Den Menschen werden Sanktionen angedroht, sollten sie das unerwünschte Verhalten zeigen. Nicht alle, mitunter nur ein geringer Teil, folgen dem „Gesetzesbefehl“. Die Folge sind härtere Sanktionen, da der „Staat“ sich offenbar nicht so recht durchsetzen kann. Als weitere Folge wird ein immer größerer Personenkreis diskriminiert, wenn nicht gar kriminalisiert. Der Apparat, mit dem die wachsende Insubordination bekämpft werden muß, bläht sich immer mehr auf.

Die Beispiele reichen vom Falschparken über die Prostitution bis zum Rauchen. Verbote, wo man nur hinschaut. Ein Heer von Politessen ist unterwegs, Falschparker abzustrafen. Tausende von Überstunden bei der Polizei könnten abgebaut werden, wenn Polizisten nicht ständig dazu mißbraucht würden, „Temposünder“ zur Kasse zu bitten, und zwar genau an den Stellen, an denen ein Tempolimit durch keine Gefahrenabwehrfunktion gerechtfertigt ist.

In diesem Zusammenhang bietet das „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ ein geradezu phantastisches Beispiel dafür, daß unbegrenzte Möglichkeiten durchaus ihre Grenzen haben, und zwar sehr natürliche: Einen Säugling kann man trockenlegen, eine Nation aber nicht. Genau das war es aber, was in den Golden Twenties die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika mit der Prohibition beabsichtigte. Ich will das Thema hier nicht weiter vertiefen, aber es war eine der größten Herausforderungen an die Phantasie der Menschen. Schwarzbrauen, Schwarzbrennen und Schwarzmarkt waren die Folge. Diese wiederum hatten jede Menge Schwarz- und Schmiergeld im Schlepptau, weil nur der gut fährt, wer gut schmiert. Der Staat und seine Gesetze aber hechelten eifrig hinterher. Teuer, und alles für die Katz!

In Teil I des Bundesadels hatte ich bereits auf eine der Folgen der Prohibition hingewiesen:

„Man hatte ein Gesetz erlassen, das den Amerikanern den Alkoholgenuß untersagte. Die geringe Akzeptanz des Gesetzes durch die Bevölkerung erforderte einen verstärkten Einsatz staatlicher Macht zu seiner Durchsetzung. Auf der anderen Seite waren die Anbieter der teuflischen Getränke; an deren Spitze waren wiederum die zu finden, die sich einen Teufel um Gesetze scherten. Es dauerte nur wenige Jahre, und das ganze Wechselspiel brachte das Sozialsystem der Gesetzlosen hervor, das heute noch als organisierte Kriminalität mit dem Sozialsystem „Staat“ rivalisiert. Mitglieder krimineller Organisationen befolgen keine staatlichen Gesetze, gehorchen aber den Regeln ihrer Organisation und folgen den Anweisungen ihres Gangsterbosses. Al Capone ist der Inbegriff der auch politischen Instabilitäten, die die USA in jenen Jahren heimsuchten.

Fällt Ihnen etwas auf? – Selbstverständlich! Und selbstverständlich werden Sie die verblüffenden Ähnlichkeiten zwischen amerikanischen Spritschmugglern der 20er und unserem Parteiensystem zunächst einmal leugnen; – weil es so unglaublich klingt, daß hier in Europa ein derartiges „Paralleluniversum“ ausgerechnet bei den politischen Parteien entstanden sein soll. Aber es ist so: ein Netzwerk, das an Recht und Gesetz vorbei existiert. Freilich laufen die Schatzmeister der Parteien nicht mit der 9mm-Inkaßovollmacht durch die Gegend, aber so ganz legal ist das Parteienfinanzierungssystem eben nicht. Und daß man sich außuchen könnte, welches Unrecht man begehen darf und welches nicht, wäre mir neu.

Daß der Übergang von der Bundes- in die Bimbesrepublik längst in vollem Gange war, als Helmut Kohl Bundeskanzler wurde, zeigt sich auch an der Rolle, die der Bimbes schon anläßlich des gescheiterten Mißtrauensvotums gegen Willy Brandt gespielt hatte.“ (Bundesadel I)

Nun aber weiter im Text mit Bundesadel Teil IV:

Sollten dereinst Historiker und Informatiker interdisziplinär zusammenarbeiten, würde es mich nicht wundern, wenn in diesem Gewirr von Rückkopplungsschleifen der „Schwarze Freitag“ als zwangsläufige Folge solch staatlichen Irrsinns auftauchen würde.

(Was mit dem Saufen damals nicht geklappt hat, wird nun mit dem Rauchen wiederholt. Nicht nur in den USA, die ersten Europäer, die diesem Irrsinn zum Opfer gefallen sind, sind ausgerechnet die Iren, die in den Pubs nicht mehr rauchen dürfen. Aus Irland hat man im Handumdrehen Irrland gemacht!)

Dann aber wären „Schwarze Freitage“, wie der von 1929 in den USA, kein einmaliger historischer Vorgang, sondern das Damokleßchwert jeder Demokratie, die ihre Lektion noch nicht gelernt hat. Irgendwo im Dickicht von Gesetzen und Verordnungen, Absprachen und Schiebereien hängt es. Und wenn es fällt, ist die soziale Sicherung von Millionen Menschen im Eimer. – Es sei denn, das Sozialversicherungssystem ist nach dem ursprünglichen deutschen Muster organisiert und mit Lernfähigkeit ausgestattet.

Ein System der sozialen Sicherung, das sich auf die Gemeinschaft aller stützt, kann nur dann lernfähig sein, wenn ihre Repräsentanten lernfähig und -willig sind. Grundlage unseres Sozialsystems ist die Reichsversicherungsordnung; deren Entwicklungsfähigkeit hängt also unmittelbar von der Lern- und Anpassungsfähigkeit unserer Politiker ab.

Diese aber sind augenscheinlich nur insoweit lernfähig, als es ihren eigenen Geldbeutel angeht. Denn sie beweisen Tag für Tag, daß sie unfähig sind, sich mit den Fundamenten ihrer Tätigkeit und den Zielen ihrer Aufgaben zu beschäftigen.

Menschliche Staatengemeinschaften sind eine relativ neue Erfindung der Natur. Im Strom des Lebens haben sie gerade einmal eine Länge von 8 Metern erreicht. Woraus wird ein Staat gebildet? – Aus Organismen, die gemeinhin als Menschen bezeichnet werden. Der Staat hat Organe, also muß er sich selbst als Organismus behandeln lassen. Sie sind ein Organismus, ich bin einer. Alle Ihre und meine Handlungen dienen eigentlich nur dem Zweck, die rund dreißig Billionen Zellen, aus denen Ihr und mein Körper jeweils bestehen, mit Nahrung zu versorgen. Welchem anderen Zweck soll daher ein Organismus namens Staat dienen, als dem, die Organismen, die ihn bilden, am Freßen zu halten? – Freilich nicht in dem Sinne, daß der Staat seine Bürger versorgen muß; er hat aber alles zu tun, was seinen Bürgern ermöglicht, sich selbst entsprechend der Wirtschaftskraft der Gemeinschaft angemessen zu versorgen.

Aus dieser Warte hat der Staat also die Aufgabe, für das Wohlergehen seiner Bewohner zu sorgen. Staaten sind seßhafte Organismen, damit haben sie große Ähnlichkeit mit den Pflanzen. Auch die können ihren Standort nicht verändern.

Der einzelne Mensch und auch Wirtschaftsunternehmen sind hingegen in der Wahl ihres Standortes einigermaßen flexibel, sie können als „Global Player“ relativ frei über den Planeten wandern und ihr Glück überall da versuchen, wo ihnen die Lebensbedingungen angemessen erscheinen. Unsere Politiker beklagen sich larmoyant darüber, daß die „Global Player“ das auch tatsächlich tun!

An dieser Stelle ist anzumerken, daß auch ich mich damals noch nicht darum gekümmert hatte, den Begriff „Politik“ erst einmal so konkret wie möglich zu definieren. Das gelang mir erst, nachdem die Geschichte, die die Knochen des Neandertalers erzählen, zu Ohren gekommen war:

„Die Neandertaler müßen deutlicher als alle anderen Geschöpfe vor ihnen empfunden haben, wie kostbar ein Leben ist, denn auf der fundamentalsten Ebene sind Begräbnisriten gleichbedeutend mit dem Wunsch, das Menschliche zu bewahren. Das Begraben besagt, daß irgendein wesentlicher Teil des menschlichen Lebens – man mag es Geist oder Seele nennen ﷓ nicht zerstört werden kann, sondern nach dem Tode irgendwo anders in irgendeiner anderen Form weiterexistiert.

Dieser zunehmende Sinn für den Wert des Lebens spiegelt sich nicht nur in den Begräbnisriten der Neandertaler, sondern auch in ihrer Fürsorge für alte und behinderte Menschen. So war zum Beispiel der Mann von La Chapelle-aux-Saints längst über die besten Mannesjahre hinaus, als er starb. Sein Skelett läßt erkennen, daß er unter Arthritis litt und unmöglich noch an Jagden teilnehmen konnte. Selbst das Essen muß ihm schwergefallen sein, da er alle Zähne bis auf zwei verloren hatte. Hätte er zu einer früheren Zeit gelebt, hätte man ihn wahrscheinlich ausgesetzt und verhungern assen, nachdem er für die Gruppe nicht mehr von Nutzen war. Aber die Neandertaler ließen sich anscheinend nicht von einer derart grausamen Logik leiten. Die Gefährten dieses Mannes versorgten ihn selbstlos mit Essen, vielleicht kauten sie es ihm sogar vor.

Auch die Funde von Shanidar assen vermuten, daß die Neandertaler für Behinderte sorgten. Einige der dort gefundenen Knochen gehören einem 40jährigen Mann, der vermutlich durch Steinschlag getötet wurde. Die Untersuchung seines Skeletts ergab, daß ihm vor dem tödlichen Unfall nur ein Arm zur Verfügung gestanden hatte. Der rechte Arm und die Schulter waren verkümmert – vermutlich ein angeborener Defekt. Trotz dieser erheblichen Behinderung erreichte er ein für einen Neandertaler hohes Alter. Seine Vorderzähne sind ungewöhnlich stark abgenutzt, was darauf hindeutet, daß er einen großen Teil seiner Zeit damit verbrachte, Tierhäute weichzukauen, damit sie als Kleidung verwendet werden konnten, oder daß er seine Zähne anstelle des fehlenden Arms zum Festhalten von Gegenständen benutzte. (…) Auch der ursprüngliche Neandertaler aus Deutschland hat eine schwere Verletzung überlebt, sich allerdings nicht gut von ihr erholt: Die Knochen seines linken Ellenbogens waren so deformiert, daß er nicht imstande war, die Hand zum Mund zu heben; ob Mensch oder Tier für diese Verletzung verantwortlich war, läßt sich nicht feststellen…“

Diese Feststellungen macht doch erschreckend deutlich, daß während der Eiszeit Kranke und Behinderte offensichtlich einen Stellenwert hatten, den man sich zu Beginn des 21. Jahrhunderts eigentlich nur wünschen kann. Daraus ließ sich, zusammen mit weiteren Faktoren am Ende der Begriff „Politik“ wie folgt bestimmen: Politik ist das Organisieren der Erledigung von Gemeinschaftsaufgaben. Nicht nur das, damit ist der Weg in eine Europaverfassung, die den Namen verdient, vorgezeichnet.

Politik ist das Organisieren der Erledigung von Gemeinschaftsaufgaben.

(Die ursprünglich an dieser Stelle weitergesponnene Metapher von „Pflanze „ (Staat) und „Tier“ (Mensch bzw. Unternehmen) kann damit natürlich wegfallen, aber die obigen Ausführungen füllen die Lücke nahtlos:

Das ist natürlich für jeden Politiker, der sich im Glanz seiner Erfolge sonnen möchte, ein grausiges Dilemma. Warum? – Wenn Politiker für mehr Eigenverantwortung des Bürgers bezüglich seiner sozialen Absicherung plädieren, verkünden sie ihr eigenes Versagen und offenbaren ihre Unfähigkeit zur Erfüllung der ihnen übertragenen Aufgaben. Denn der Mensch ist kein Lebewesen, das aus eigenem Antrieb seine soziale Absicherung betreibt; er verläßt sich auf andere, die das für ihn tun. Seit Urzeiten waren das die Kinder, die er reichlich in die Welt setzte. – Mit der hormonalen Empfängnisverhütung hat sich die Welt dramatisch verändert. Die Menschen, die in ihr leben, sind dennoch die geblieben, die sie immer waren. Von Alaska bis Feuerland, von Spitzbergen bis zum Kap der Guten Hoffnung. Von China bis Irland und von Indien bis Tasmanien.

Ich habe auf der Penne zwar häufig das getan, was der Name sagt. Aber daran kann ich mich gut erinnern: 1971 erörterten wir im Rahmen des Erdkundeunterrichts die Folgen dessen, was später als „Pillenknick“ Furore machte. Der drastische Geburtenrückgang, sollte er anhalten, werde bis zum Ende des Jahrtausends das sogenannte demographische Dreieck ( die Jungen an der Basis, die Alten an der Spitze ) zu einem fast quadratischen Block deformieren. Das werde sich auf die Alterssicherung der Bevölkerung natürlich auch auswirken… Da kann doch etwas nicht stimmen! – Diese absehbare Entwicklung soll unseren Politikern entgangen sein? – Nach meinem Verständnis von Politik ist diese dazu da, vorausschauend die Zukunft zu gestalten. Da allüberall in der Politik „Expertenanhörungen“ stattfinden, wird diese Kunde, die damals an meine Pennälerohren gelangt ist, auch auf den Schreibtischen der zunächst sozial-liberalen und später christlich-liberalen Koalitionen gelandet sein. Dennoch hat man eine vorausschauende Reform der sozialen Sicherungssysteme nicht in Angriff genommen. Ganz im Gegenteil, man hat sie im Rahmen der Wiedervereinigung einer Belastungsprobe ausgesetzt, die sie nur schwer verkraften können.

„Pflichtversicherung“ – der Begriff klingt vielleicht obrigkeitsstaatlich, ist es aber nicht im geringsten. – Es ist nun einmal die verdammte Pflicht und Schuldigkeit eines Politikers, für andere mitzudenken und den Zickzackkurs von Modeerscheinungen in der Gesellschaft abzupuffern. Und die sozialen Sicherungssysteme sind aus den obigen Gründen ureigenste Angelegenheit der Politik. Sich um diese Angelegenheiten zu kümmern, dafür überträgt der Souverän dem Politiker Macht. – Nicht aber dafür, den Organismen, die den Staat bilden, mit ständig neuen Gesetzen, Verordnungen, Bußgeldern und Strafen auf die Nerven zu fallen.

Der Staat hat Regeln da aufzustellen, wo sie notwendig sind, nicht aber in den Fällen, in denen es aus Sicht der Politiker oder Parteien wünschenswert erscheint. Die Regulierungswut der Regierungen und Parlamente führt wegen der ungebremsten positiven Rückkoppelung zwangsläufig zu Reformunfähigkeit und zunehmender Bevormundung des Bürgers.

Das „Dosenpfand“, die „Verspargelung“ weiter Teile unseres Landes und die ver-Stolpe-rte Einführung der automatisierten Wegelagerei gehörten, als ich diese Zeilen niederschrieb, noch zu den „Heilsversprechen“ der Fa. „Schröder&Fischer GojH“ (Gesellschaft ohne jede Haftung).

Nur ein Beispiel: Rabattgesetz und Zugabeverordnung sollen abgeschafft werden. Das ist auch gut so, aber warum macht man es nicht sofort, sondern erst zur Mitte des nächsten Jahres? Der Text für ein Gesetz, das ein bestehendes Gesetz aufhebt, ist in weniger als zwei Minuten niedergeschrieben:

Art. 1

Das ….gesetz vom soundsovielten, zuletzt geändert durch Gesetz vom… wird aufgehoben.

Art. 2

Dieses Gesetz tritt am Tage nach seiner Verkündung in Kraft

Sehen Sie, so einfach ist das. Mehr als diese Worte braucht man nicht, um dem Bürger mehr Freiheit und Handlungsspielraum zu geben. Man kann daraus sogar ein Formular machen, damit unsere wahlkampfgestreßten Abgeordneten nicht soviel schreiben und lesen müssen.

Aber den Handlungsspielraum des Einzelnen zu erweitern, scheint für unsere Politgrößen ein ungeheures Schreckgespenst zu sein. Das gilt übrigens auch bezüglich des Ladenschlußgesetzes. – Hier wird die Republik endgültig zum Tollhaus. Da mischen sich „gesellschaftlich relevante Gruppen“ in die Diskussion, die Kirchen werben für den arbeitsfreien Sonntag. Jahrhunderte hatten sich die Hirten nicht um die Sonntagsruhe ihrer Schäflein gekümmert, erst das Verbot der Sonntagsarbeit für Frauen und Kinder durch das säkulare Preußen im Jahre 1839 läutete in Europa den Ausstieg aus der Sonntagsarbeit ein.

Folge der gegenwärtigen Diskussion aber ist, daß mehr als 625 Abgeordnete, die dafür bezahlt werden, Entscheidungen zu treffen, sich dafür entscheiden, die Entscheidung aufzuschieben. – Und Sonntags trifft man den Nachbarn dann eben immer noch nicht im Supermarkt, sondern an der Tankstelle. Merkwürdig, aber da arbeiten auch Menschen. Ja dürfen die denn das?

Auf die staatlichen Repressalien gegen Autofahrer und andere gesellschaftlich nicht relevante Gruppen wie Raucher und Zecher hatte ich bereits hingewiesen. In all diesen Fällen wird vor allem mit den Kosten für das Gesundheitswesen argumentiert, die diese Gruppen verursachen.

Nun bin ich einmal an der Reihe mit einer linearen Extrapolation: Die Anzahl der Aids-Kranken nimmt auch in unserer Republik beständig zu. Aids-Kranke verursachen, vor allem dann, wenn man sie so lange wie möglich am Leben erhält, immense Kosten. Das einzig bekannte Mittel gegen die Ausbreitung dieser Krankheit ist bislang, den Kontakt mit Körperflüssigkeiten von Infizierten zu verhindern. Seit einigen Jahren hat jeder Autofahrer Aids-Handschuhe im Verbandskasten, weil es sie dort zu haben hat. – So will es der Verkehrsminister. Außer dem Straßenverkehr gibt es noch andere Gelegenheiten, bei denen man sich infizieren kann. Bei steigenden Zahlen der Infektionen dürfte es nur noch eine Frage der Zeit sein, bis auf Kondompackungen der Hinweis zu finden ist: – „Die EG – Verkehrsminister: Bumsen ohne Gummi gefährdet die Gesundheit!“- Pardon, ich habe die Ressorts verwechselt, es muß natürlich heißen: „Die EG – Gesundheitsminister.“

Freilich wird auch das die Menschen in unserem Lande nicht davon abhalten, es auch „ohne“ zu treiben. Die Zahl der Aids-Infizierten steigt folglich weiter. – Ausreichend wäre allerdings, wenn die Zahl der Erkrankten nicht sinkt, um folgendes Szenario realistisch erscheinen zu lassen:

Die Kosten für die Behandlung der AIDS-Kranken und die Zahl der Aids-Toten ist so hoch, daß ein Eingreifen des Gesetzgebers erforderlich ist.

Also wird der Verkehr zwischen den Geschlechtern durch Gesetz geregelt. „Ohne“ ist nicht mehr drin. – Es besteht Kondompflicht.

In § 1 des „Gesetzes zur Regelung des Verkehrs zwischen getrennt- und gleichgeschlechtlichen Paaren“ (KondomG) wird es zunächst Begriffsbestimmungen geben.

Die Hauptarbeit der Parlamentarier und ihrer Adlaten in den Ministerien wird über Monate hinweg darin bestehen, eine gesetzliche Definition des Kondoms zu finden. Ferner muß der Begriff des Geschlechtsverkehrs definiert werden. Nicht nur die Affäre Clinton ./. Lewinski hat gezeigt, das es äußerst schwer ist festzulegen, wann man Sex hat und wann nicht. „Der Begriff des Geschlechtsverkehrs (…) umfaßt nicht jede unzüchtige Handlung, ist aber auch nicht auf den Beischlaf beschränkt. Er umfaßt den gesamten natürlichen und naturwidrigen Geschlechtsverkehr, also außer dem Beischlaf auch alle geschlechtlichen Betätigungen mit einem Angehörigen des anderen Geschlechts, die nach der Art ihrer Vornahme bestimmt sind, anstelle des Beischlafs der Befriedigung des Geschlechtstriebes zumindest des einen Teils zu dienen.“ ( Amtliche Sammlung der Entscheidungen des Reichsgerichts in Strafsachen, 70. Band S. 375 )

Deswegen wird im Gesetzgebungsverfahren zunächst eine Expertenanhörung stattfinden. Vielleicht kommt Dolly Buster noch zu ungeahnten Ehren.

Wenn die o.g. Fragen soweit geklärt sind, muß in den Außchüssen über Ausnahmeregelungen diskutiert werden, denn die ständige Benutzung von Kondomen führt bei Entbindungsstationen und Hebammen zu erheblichen Auswirkungen auf die Zahl der Arbeitsplätze. Katholische Bischöfe werden mit blankem Entsetzen reagieren und fordern, dann den Sex doch ganz zu verbieten…

Und dann wird zu allem Überfluß das Gesetz mit Straf- und Verwaltungsvorschriften garniert.

Zumindest wird jeder, analog zu den Bestimmungen der Straßenverkehrszulassungsordnung ( dieses Monster gibt es wirklich! )über die Mitführungspflicht von Gummihandschuhen, ständig ein Kondom mit sich führen müssen, was natürlich durch die Polizei überwacht werden muß. Wird jemand ohne Kondom angetroffen, ist ein Bußgeld fällig.

Die Dritte Durchführungsverordnung zu § 4711a KondomG z.B. wird die Betreiber von Bordellen zur Verkehrsüberwachung verpflichten. Nach der fünften Verwaltungsanordnung zur Dritten Durchführungsverordnung zu § 4711a KondomG haben die Puffmütter täglich der zuständigen Behörde die Zahl der Besucher zu melden und die Zahl der benutzen Kondome unter Beifügung der Originale nachzuweisen…

Sich die Geschichte weiter auszumalen, überlasse ich Ihrer Phantasie.

Vor einigen Tagen titelte die BILD-Zeitung: Eichel will Puff-Steuer, ich glaube mit einer Kondomsteuer dürfte sich in der Heimat des Paragraphengummis gut Kasse machen lassen!

Seien wir doch mal ehrlich: Ohne das Übermaß an Gesetzen und Verordnungen hätte es unser Adelsstand sehr schwer, die eigene Existenz zu rechtfertigen. Von dem Tag an, an dem alle überflüssigen Gesetze formularmäßig außer Kraft gesetzt sind, gibt es außer Wahlkampf für die meisten Politiker nichts mehr zu tun. Bereits heute besteht die Hauptbeschäftigung der Spitzenpolitiker darin, Wahlkampfauftritte zu bestreiten, eine weise Beschränkung des Staates auf die notwendige und sachlich gebotene Gesetzgebung würde dem Souverän aber drastisch vor Augen führen, für welche „Luftnummern“ er fürstliche Gehälter bereitstellen soll. Lange würde der das nicht mitmachen.

Der einzige Reformvorschlag, der den Namen wirklich verdient, ist der mittlerweile vergessene Vorschlag, Prostitution als Beruf anzuerkennen. Das wäre wirklich gut, nebenbei zutiefst christlich. Es gibt keinen Grund, Frauen und Männer, die dieser Beschäftigung nachgehen, zu diskriminieren. Zwar würde mit einer formalen Anerkennung der Branche zugegeben, daß menschliche Schwächen sich nicht gesetzlich verbieten assen, aber Politiker haben im Interesse des Gemeinwohls menschliche Schwächen auszugleichen, nicht zu bekämpfen. Ob Sie es glauben oder nicht, das ist unmöglich und sollte daher unterlassen werden. So sehr das auch ein Dorn im Auge der Missionare aller Couleur sein mag

Bestes Beispiel ist die „Bekämpfung“ des Kapitalismus. Alle Bestrebungen, die freien Märkte im Namen der sozialen Gerechtigkeit abzuschaffen, sind mit verheerenden Folgen für die betroffenen Länder gescheitert; im Fluß der Zeit nach wenigen Zentimetern. Handel und Wandel hatte sich in den sozialistischen Ländern nur verlagert. Auch dort herrschten die Gesetze des Marktes, in der erbarmungslosesten Form der Marktwirtschaft, dem Schwarzmarkt.

Schwarzmarkt, in diesen Bereich gehört auch Schwarzarbeit. Das ist eine der blühenden Landschaften in Deutschland, aber nicht unbedingt die, die Ex-Kanzler Kohl bei seiner Vision im Auge hatte. Schwarzmärkte sind, das können anhand Ihrer Kaffeemaschine nachvollziehen, ein untrügliches Zeichen dafür, daß die Obrigkeit fehlerhaft handelt und es ihr für die Lösung der Probleme an Phantasie und sozialer Kompetenz fehlt.

Für den Bestand der Bundesrepublik Deutschland verheißt all das natürlich nichts Gutes. Verlassen unsere Politiker das gegenwärtige Fahrwaßer der mit zunehmender Repreßion verbundenen hohen Abgabenlast nicht, wird dem Einstieg in den Außtieg aus der Kernenergie der Einstieg in den totalen Überwachungßtaat folgen. Und unsere Politiker werden das als Schutz der Grundrechte und -freiheiten des Bürgers vermarkten wollen. Und das wird verdammt teuer werden. – Sie müßen ja heute schon Millionenbeträge an Werbeagenturen abdrücken, um ihr Image dem Trend anzupaßen. Folglich muß immer mehr Bimbes in die Parteikaßen, um die Marketingexperten bezahlen zu können. – Zu dumm nur, daß bereits Henry Ford erkannt hatte, daß von jedem für Werbung ausgegebenen Dollar 50 Cents für die Katz sind; wenn man nur wüßte, welche.

Gute Politik, die am Menschen orientiert ist, für die Menschen gemacht wird und nicht gegen sie, die braucht keine Werbebanner im Internet, sie verkauft sich von selbst. Der Politiker, der den Einstieg in eine grundlegende Restrukturierung der sozialen Sicherungßysteme und des Steuersystems schafft, wird rasch zum Nationalhelden aufsteigen. (Bundesadel IV)

Auf der Universität kann man vieles lernen, aber manches echappiert einem doch. So spielte mir der „Zufall“ erst zwei Jahre nach dem Abfaßen dieser Zeilen ein Büchlein in die Finger, das den Titel „Jugendlexikon Wirtschaft“ – einfache Antworten auf komplizierte Fragen“ trägt. Dort fand ich folgende Stichpunkte:

Steuern sind ein Teil der öffentlichen Abgaben. Man versteht darunter einmalige oder laufende Geldleistungen an den Staat (Bund, Länder, Gemeinden) und auch an Kirchen (Kirchensteuer). Der Steuerzahler (private Haushalte, Unternehmen) hat keinen Anspruch auf eine bestimmte Gegenleistung.

So, so, der Steuerzahler hat gegen den „Staat“ keinen Anspruch auf eine bestimmte Gegenleistung. Hat nicht ein gewißer Christian Wulff den Sozialhilfeempfängern vor Jahr und Tag entgegengeschleudert, es gäbe ohne Gegenleistung kein Geld vom Staat? – Der Bürger darf vom „Staat“ nichts verlangen, der „Staat“ aber darf etwas ohne Gegenleistung verlangen? – Da stimmt doch was nicht. Und was da nicht stimmt, auch darüber gibt das Jugendlexikon Wirtschaft Auskunft:

Merkantilismus (von lat. mercator  = Kaufmann) ist das wirtschaftspolitische System der absolutistischen Staaten des 16. bis 18. Jahrhunderts. Der Staat nahm in dieser Zeit starken Einfluß auf die Wirtschaft., um mit ihrer Hilfe den nationalen (volkswirtschaftlichen) Reichtum zu vergrößern und die Macht des Staates zu erhöhen. Die Grundüberlegung der Merkantilisten bestand darin, daß Staatsreichtum mit hohen Edelmetallbeständen gleichzusetzen sei. Daher war die Wirtschaftspolitik darauf ausgerichtet, alles zu fördern und zu unterstützen, was Geld und Edelmetalle ins Land brachte. Als Ziel galt daher eine aktive Handelsbilanz, also ein Überschuß der Ausfuhr über die Einfuhr. Dies sollte unter anderem erreicht werden durch Ausfuhr hochwertiger Fertigwaren, Exportprämien, Einfuhrverbote und –zölle (Zoll), billigen Bezug der Rohstoffe aus eigenen Kolonien und gezielte Bevölkerungspolitik (mehr Arbeitskräfte).

In Deutschland, bzw. in den nach dem Dreißigjährigen Krieg auf deutschem Boden entstandenen auf deutschem Boden, entwickelte sich eine besondere Art des Merkantilismus, die Kameralismus genannt wird (von lat. camera = Kammer, gemeint ist die Schatzkammer der Fürsten). Beim Kameralismus, der „Lehre vom fürstlichen Staatshaushalt“ kam es darauf an, möglichst hohe fürstliche Staat6seinkünfte zu erzielen, um die Staatsausgaben (z.B. Besoldung des Militärs und der Beamten, Finanzierung des Baus von Schlößern) decken zu können. Die Steuer wird in dieser Zeit zu einer ständigen Einrichtung. Noch heute ist die staatliche Verwaltung nach den Grundsätzen des Kameralismus gestaltet. (Kameralistische Buchführung bei Behörden).

Bedeutende politische Vertreter des Merkantilismus waren in Frankreich Ludwig XIV und sein Finanzminister J.B. Colbert, in Preußen Friedrich der Große und in England Oliver Cromwell. Auf den Merkantilismus folgte der Liberalismus. (Kapitalismus)

Noch heute ist die staatliche Verwaltung nach den Grundsätzen des Kameralismus gestaltet. (Kameralistische Buchführung bei Behörden).

Klingelt’s? – Zu keinem Zeitpunkt der Weltgeschichte wurden die „öffentlichen Haushalte“ im Intereße der Allgemeinheit eingerichtet! Sie dienen außchließlich dem Zweck, diejenigen, die an diesen „Fleischtopf“ gelassen werden, umfassend zu versorgen, denn wie heißt es so schön:

Die Steuer wird in dieser Zeit zu einer ständigen Einrichtung.

Das kriegt man natürlich auf der Universität nicht beigebracht. Dort wird „Haushaltsrecht“ gelehrt. Wo das alles aber herkommt, darüber schweigen sich die Professoren aus, weil sie es selbst nie gelernt bzw. hinterfragt haben. Das gilt sowohl für die Herkunft der „öffentlichen Haushalte“ als historischem Vorgang, als auch das Energiereservoir, aus dem die „Haushalte“ gespeist werden. Fragen Sie mal einen Jura-Professor nach dem Anwendungsbereich der thermodynamischen Gesetze. Sie werden nach einer gewissen Zeit eine Antwort erhalten, und die wird streng juristisch ausfallen.  Assen Sie mich es so ausdrücken: „Tut mir leid, die von Ihnen genannten Gesetze stehen weder im Bundesgesetzblatt, noch sind sie in den Gesetz- und Verordnungsblättern der einzelnen Bundesländer zu finden. Es gibt sie daher nicht, zumindest nicht im Geltungsbereich des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland.“ – Den Schaden, den dieser Systemfehler in der Juristenausbildung anrichtet, muß der Bürger teuer bezahlen:

Das „Steuerzahlen“ ist kein natürlicher Vorgang und auch keine seit unvordenklichen Zeiten bestehende Tradition es ist vielmehr ein Institut, das aus höchst egoistischen Motiven absolutistischer Monarchen geschaffen wurde. Daran hat sich offenbar bis zum heutigen Tage nichts geändert:

Sie erinnern sich? – Steuern sind ein Teil der öffentlichen Abgaben. Man versteht darunter einmalige oder laufende Geldleistungen an den Staat (Bund, Länder, Gemeinden) und auch an Kirchen (Kirchensteuer). Der Steuerzahler (private Haushalte, Unternehmen) hat keinen Anspruch auf eine bestimmte Gegenleistung.

Im „Zivilleben“ gibt es ein verdammt ähnliches Verhaltensmuster, das in allen Rechtskulturen dieser Welt bestraft wird: Das Fordern oder das eigenmächtige Nehmen einer Leistung ohne Gewährung einer angemessenen Gegenleistung. Im Strafgesetzbuch finden Sie dieses Muster unter den Titeln Eigentums- bzw. Vermögensdelikte. Ferner finden Sie es wieder im Bürgerlichen Gesetzbuch, dort wird im Allgemeinen Teil der kraße Egoismus für rechtlich irrelevant erklärt, denn § 138 BGB bestimmt in Absatz 1: Ein Rechtsgeschäft, das gegen die guten Sitten verstößt, ist nichtig. Schon in den Motiven zum BGB findet sich die später vom Reichsgericht zum juristischen Standard erhobene Formulierung der Sittenwidrigkeit: Sittenwidrig ist ein Rechtsgeschäft, das gegen das Anstandsgefühl (!) aller billig und gerecht Denkenden verstößt. Man braucht hier wohl weiter nicht in die Tiefe zu dringen, denn Diebstahl, Raub, Erpressung und Betrug, sie alle verstoßen ohne jeden vernünftigen Zweifel gegen das Anstandsgefühl aller billig und gerecht Denkenden, sonst wären sie schließlich nicht strafbar. Es sieht ganz danach aus, als wäre die Finanzverfassung der Bundesrepublik Deutschland ein sittenwidriges Geschäft und eigentlich ein Fall für den Staatsanwalt.

Nun ist die oben gegebene Definition der „Steuer“ etwas schwammig, denn sie verwehrt dem „Steuerzahler“ nicht jedweden Anspruch auf Gegenleistung, sondern lediglich den Anspruch auf eine „bestimmte“ Gegenleistung. Aber auch hier schafft das BGB Abhilfe, und zwar in § 138 Abs. 2 BGB: Nichtig ist insbesondere ein Rechtsgeschäft, durch das jemand unter Ausbeutung der Zwangslage, der Unerfahrenheit, des Mangels an Urteilsvermögen oder der erheblichen Willensschwäche eines anderen sich oder einem Dritten für eine Leistung Vermögensvorteile versprechen oder gewähren läßt, die in einem auffälligen Mißverhältnis zu der Leistung stehen.

In einer Zwangslage befinden wir uns fast alle: Der vermeintliche Anspruch des „Staates“ auf Lohn- und Einkommensteuer wird beim Gros des Volkes unter zwangsweiser Mitwirkung der Arbeitgeber durchgesetzt. Dieser hat den „Steuerbetrag“ einzubehalten. Gegen die sogenannten „indirekten“ Steuern hat der Bürger keinerlei Möglichkeit, dem „hoheitlichen“ Handeln des „Staates“ auf dem „Rechtsweg“ zu begegnen. Haben Sie bei Aldi schon einmal einen rechtsmittelfähigen Bescheid über die von Ihnen gezahlte  Mehrwertsteuer bekommen? – Drückt der Tankwart Ihnen einen Steuerbescheid über die Mineralölsteuer in die Hand? – Enthält eine Zigarettenpackung eine Rechtsbehelfsbelehrung im Hinblick auf die Tabaksteuer?

Und der „Staat“ setzt seine behaupteten Ansprüche mit allen Mitteln eines Räubers und Erpressers durch, ohne daß ihm die Justiz in die Parade fährt, denn die Justiz steht nach wie vor in der Tradition des Rechtspositivismus. Und Richter werden vom „Staat“ bezahlt.

Tankstellen und Tabakhändler, das sind Gewerbezweige, deren Gewerbeschein hinten und vorne nicht stimmt. Denn deren „Hauptgeschäftszweig“ ist das Steuerinkasso. – Nun versuchen Sie einmal, Steuereintreibung als Gewerbe anzumelden.

Tabakhändler und Tankstellen, diese privaten Steuereintreiber, bekommen für ihren Hauptgeschäftszweig keinerlei Vergütung. Wie nennt man ein „Dienstverhältnis“ bei dem der Bedienstete für seine Leistung nicht entlohnt wird? – Sklaverei! Tabakhändler, Tankstellenpächter, Arbeitgeber und alle Gewerbetreibenden, die „indirekte“ Steuern kassieren, sind Sklaven, Fiskalsklaven.

Damit befindet sich der Steuerzahler in einer Zwangslage, denn vor allem gegen die indirekten Steuern kann er sich eigentlich überhaupt nicht zur Wehr setzen. Unter Ausnutzung dieser Zwangslage verschafft sich „der Staat“ auch einen Vermögensvorteil, vor allem die, die ihn „repräsentieren“: Die Abgeordneten von 17 Parlamenten lassen sich ebenso durchfüttern wie die Mitglieder von 17 Regierungen, auch nach dem „Außcheiden aus dem Dienst“. Die Parteien lassen sich aushalten und versorgen ihre „verdienten“ Parteigänger mit Posten und Pöstchen in den Ministerien und Bundesanstalten bzw. „-agenturen“.  Und die Gehälter sind fürstlich im Vergleich zur erbrachten Leistung: Gesetze und Verordnungen, die keiner braucht. Da wird auf Biegen und Brechen vermittelt, wo nix zum Vermitteln da ist; und, Christian Wulff hat es auf Punkt gebracht: „Ohne Gegenleistung gibt es kein Geld vom Staat“. – Von wem bekommt denn Herr Wolff sein Geld? – Doch wohl nicht von der Caritas. Aber welche „Gegenleistung“ erbringt ein „Ministerpräsident“ oder „Bundeskanzler“ für die von ihm einkassierte Vergütung? – Haben Sie schon einmal eine Arbeitsplatzbeschreibung der genannten Dienstposten gesehen?

Die „Leistung“ die der Staat dem Bürger gewährt, hat für diesen offenbar keinen Wert, denn es kann niemand damit etwas anfangen. Niemand kann sie essen und keiner gegen eine Sache oder äquivalente Dienstleistung weitertauschen. Die „Leistung“ des Staates, die dieser seinen Bürgern als „Gegenleistung“ für die einkassierten Steuern gewähren kann, hat keinen irgendwie gearteten „geldwerten Vorteil“. Die vom „Staat“ dem „Steuerzahler“ angebotene Leistung steht daher, daran kann kein vernünftiger Zweifel bestehen, in einem auffälligen Mißverhältnis zu dem „Vermögensvorteil“, den der „Staat“ sich von seinen Einwohnern und Bürgern „gewähren läßt“. Das Fordern von Steuern bleibt auch unter diesem Aspekt ein sittenwidriges Geschäft.

Einem gewieften Rechtsverdreher, aber auch jedem Staatsrechtler würde jetzt einfallen, darauf Wert zu legen, daß das BGB in der Hierarchie der Gesetze doch wohl im Range unter der Verfassung steht. – Unfug! Erstens: Nach eigenem Selbstverständnis wollte das Grundgesetz nie eine „Verfassung“ sein. Zweitens handelt es sich beim Bürgerlichen Gesetzbuch um „vorkonstitutionelles“ Recht, das Eingang in die Rechtordnung der Bundesrepublik Deutschland fand, ohne vom Parlament als Gesetz beschlossen worden zu sein. Drittens, und das ist entscheidend: Das BGB ist ein gewaltiges Werk der Weltgeschichte. Es ist Kristallisationspunkt von Rechtstraditionen, die die Wechselfälle von Jahrtausenden überstanden haben. 25 Jahre haben Spitzenjuristen des 1871 neu entstandenen „Deutschen Reichs“ daran gearbeitet.

Sie werden es kaum glauben wollen, aber das BGB gehört zu den Weltwundern der Neuzeit. Entscheidend für diese Bewertung ist nicht die Komprimierung abendländischer Rechtstraditionen. Entscheidend ist vielmehr die präzise Beschreibung von Verhaltensmustern, welche die Menschheit seit Jahrmillionen zusammengehalten haben. – Rechtswissenschaft, ernsthaft betrieben, ist im Kern eine Naturwissenschaft! – Es ist weder genug Platz noch genug Zeit, Ihnen das hier näher zu erläutern, denn es geht hier um Notwehr gegenüber dem „Staat“:

Wenn Politiker vergessen, für wen sie da sind, verlieren sie leicht die Bodenhaftung. Wie es außieht, haben sie den Take-off bereits geschafft. – Ähnlich sieht das auch der in Marburg lehrende Politikwissenschaftler Prof. Dr. Wolfgang Renzsch, der in seinem Aufsatz „>Aus eins mach drei< und andere Einträglichkeiten“ eine Tendenz zur Verselbständigung der politischen Kasse konstatiert. (FAZ 26.7.2000 S. 11):

„Die innerparteiliche Finanzverteilung führt zu dem Ergebnis, daß die direkte staatliche Finanzierung etwa den Einnahmen der Bundeszentralen der Parteien entspricht (Ausnahme: CSU wegen der Identität von Landes- und Bundeszentrale). Aufgrund dieser Finanzstrukturen könnten die Parteivorstände ohne Mitgliedschaft existieren. Tendenziell wird der hauptamtliche Funktionärskörper der Parteien unabhängig von der Mitgliedschaft, das einzelne Mitglied hat wenig Einfluß auf die Entscheidungen der Partei, praktisch auch keine Sanktionsmittel. Damit entwickeln sich die Parteizentralen zu politischen Dienstleistungsunternehmen, die sich eher am politischen Wählermarkt als an ihren Mitgliedern orientieren.

Die staatliche Parteinfinanzierung, verbunden mit der Verflechtung der Führungsebene der Parteien mit dem Staat über öffentliche Ämter, fördert die Tendenz zur Verselbständigung der politischen Kasse: Die Parteiführungen haben sich weitgehend an die Strukturen und Problemperzeption der staatlichen Bürokratie angepaßt. Regierungsaufgaben verstärken diese Entwicklung. Infolgedessen reagieren die etablierten Parteien oftmals nur langsam und gelegentlich hilflos auf die Veränderung von Problemlagen, zumal dann, wenn diese nicht ihren hergebrachten politischen Gewißheiten entsprechen. Moderne Konflikte werden nur zögernd aufgegriffen, die „Individualisierung“ der Gesellschaft und ihre Folgen – Zerfall traditioneller Milieus, seien es konservative oder „linke“ – nicht hinreichend verarbeitet. Anders gesagt, die gegenwärtigen Formen der Parteienkonkurrenz sind innovationsfeindlich, denn die entkoppelten Führungsgremien tendieren oftmals zu strukturkonservativen Lösungen.

Erste Folge der geringen Beweglichkeit der Parteien ist die Entfremdung von Politik und Gesellschaft, die Politikverdrossenheit. Politik wird reduziert auf Verfahrensauseinandersetzungen und Personalpolitik (politics without policies); anstehende gesellschaftliche fragen bleiben weitgehend unbeantwortet. Wenn das Kosten-Leistungs-Verhältnis nicht mehr stimmt, dann nimmt die gesellschaftliche Akzeptanz der Parteien und des Parteiensystems ab. Die rückläufige Wahlbeteiligung und die parteipolitische Abstinenz junger Menschen sind eine Folge.

Der unbefangene Bürger fragt sich, warum Parteien trotz der vielfältigen legalen Möglichkeiten auf illegale Finanzierungsmethoden zurückgreifen. Vielleicht tun sie es nicht trotz, sondern wegen dieser Möglichkeiten. Wenn die gesetzlichen Bestimmungen geradezu dazu einladen, nach Umwegen zu suchen, dann liegt es nahe, nicht mehr darauf zu achten, ob der Umweg noch in der legalen Grauzone oder schon außerhalb der Legalität liegt. Ein Gesetz ohne Zähne lädt zum Mißbrauch ein.“

Sie erinnern sich an die Worte des Aristoteles aus der nikomachischen Ethik: „ Wo das Gesetz nicht herrscht…“? Bei uns jedenfalls herrscht das Gesetz nicht, zumindest nicht ohne Adelsprivilegien. (Bundesadel V)

Im fünften Teil des Bundesadels habe ich es mir auch nicht nehmen assen, die „Verfassungswirklichkeit“ der deutschen Gegenwart mit der „Verfassungswirklichkeit“ der untergehenden römischen Republik abzugleichen. – Mit einem für unsere hochdotierten offiziellen Bundes-Republikaner verheerenden Ergebnis: Wir sind Lichtjahre von demokratischen Verhältnißen entfernt, weil die „Staatsform“, in der wir leben, den Neofeudalismus repräsentiert. Konfuzius lebte vor rund 2.500 Jahren im feudalistisch organisierten China, der Neofeudalismus macht ihn erschreckend aktüll:

(Gespräche XII,18): Ji Kang-zi litt unter dem Räuberunwesen; er bat Konfuzius um Rat. Da sprach der Meister: „Wäret Ihr nicht so habgierig, würde keiner Rauben und Plündern, selbst wenn es dafür eine Belohnung gäbe.“

(Gespräche XII, 13): Konfuzius sprach: „Lerne voll Vertrauen in den rechten Weg, und bleibe ihm treu bis an dein Ende. Betritt nicht ein Land, in dem unsichere Verhältnisse herrschen. Bleib nicht in einem Staat, worin Unordnung ist. Herrscht Ordnung in der Welt, daß tu die hervor, anderenfalls halte dich zurück. Geht ein Staat den rechten Weg und herrscht darin Ordnung, so ist es beschämend, wenn man arm und von geringem Ansehen ist. Geht es hingegen in einem Staat nicht rechtens zu, dann ist es eine Schande, reich und angesehen zu sein.

(Gespräche XII,14): Konfuzius sprach: „Um die Ausübung eines Amtes kümmere sich nur, wer kompetent dafür ist.“

(Gespräche XIII, 6): Konfuzius sprach: „Verhält man sich selbst korrekt, dann läuft alles, ohne daß Befehle gegeben werden müssen. Verhält man selbst sich aber nicht korrekt, so mag man noch so viel befehlen, die anderen gehorchen dennoch nicht.“

(Gespräche XV, 21) Konfuzius sprach: „Der Edle fordert sich selbst. Der Gemeine fordert von anderen.“

Im Sommer 2000 stellte ich dann meine Arbeit am „Bundesadel“ vorläufig ein, weil mich die Beschäftigung mit den nichtlinearen Eigenschaften der Evolution vollends in ihren Bann gezogen hatte. Dabei stellte sich heraus, daß Geld auch nur ein Aspekt des Phänomens „Energie“ ist, das den allgemeinen Energieströmungsgesetzen unterworfen ist, insbesondere den Hauptsätzen der Thermodynamik. Unter thermodynamischem Aspekt erscheint der „Staatshaushalt“ als System, das einem anderen System Energie nur entziehen kann. Der Biologe nennt ein solches System, wenn es denn ein Organismus ist, „Parasit“. Die Geschichte lehrt, daß den unmittelbaren Vorläufer der „westlichen“ Demokratien der absolutistische Staat war, dessen „Haushaltswirtschaft“ ohne inhaltliche Änderung übernommen wurde. Ich erinnere an meine obige Feststellung: die „öffentlichen Haushalte“ wurden zu keiner Zeit im Interesse der Allgemeinheit aufgestellt. – Nicht einmal die „Rechnungshöfe“ sind demokratische Erscheinungen. Sie dienten den Fürsten als Kontrollinstrument; denn nur so konnten sie erfahren, welcher ihrer Lakaien sich am fürstlichen Vermögen „vergriffen“ hatte.

Welch im wahrsten Sinne des Wortes ver-Heer-ende Wirkung die Einführung der Einkommensteuer durch W. Pitt 1998 hatte, können Sie unter http://www.bundesadel/25cm nachlesen.

Lieber Graf Hohenthal, surfen Sie ruhig ein wenig durch die Website http://www.bundesadel.de. Dort finden Sie neben der ersten Skizze für eine EU-Verfassung alles Wissenswerte, was die im obigen Text häufig erwähnten Rückkopplungsschleifen kennzeichnet. Vor allem aber finden Sie dort eine Argumentationshilfe zur Anfechtung Ihres nächsten Steuerbescheides. Es wird einige Zeit in Anspruch nehmen, aber man darf gespannt sein, was der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte unter den genannten Aspekten zum Thema Steuer zu sagen hat. Auch er dürfte zu dem Schluß gelangen:

Schwarzarbeit ist durch Notwehr gerechtfertigt.

Mit freundlichen Grüßen

Gerhard Altenhoff

Posted in Leserbriefe an DIE WELT | Leave a Comment »