IN MEMORIAM GIORDANO BRUNO

Hier finden Sie alles, was Sie eigentlich nicht lesen dürften

Columbia als Menetekel (20.02.03 / 22.02.03)

Posted by Gerhard Altenhoff - Juli 17, 2007

DIE WELT
Z. Hd. Herrn Chefredakteur
Jan-Eric Peters
Brieffach 24 10
10888 Berlin

20.02.03

Columbia als Menetekel (DIE WELT vom 10.02.03)

Sehr geehrter Herr Peters,

Der Absturz der „Columbia“ war mit Sicherheit ein Menetekel. Eine Warnung, vielleicht die letzte Warnung.

Am 8.2.2001 veröffentlichte die Rheinische Post eine Fotomontage, die Schröder als Willem zwo zeigt. Dieses Bild kam mir wie gerufen, denn ich hatte gerade die „Pleiterepublik Schrödereich“ erfunden.

Herzlichen Dank auch an Ihre Kollegen von der Sportredaktion der „WELT“, die den wunderschönen neuen Wappenvogel dieses unseres Landes beigesteuert haben. Das alles kann Zufall gewesen sein.

Aber es gibt eine ganze Reihe von Zufällen, die mich nicht mehr an einen Zufall glauben lassen. Dazu gehören:

  1. mein Schreiben an DIE WELT vom 24./30.1. 2003 und den Absturz der Columbia.
  2. Der Entwurf meines Schreibens an MdB Pflüger als Reaktion auf dessen Artikel „Mit Luther gegen den Tyrannen in DIE WELT v. 7.2.2003-02-12
  3. RP Fotomontage Willem zwo/ Schröder und die BILD – Schlagzeile „Der Kanzler im Chaos“ v. 12.02.2003
  4. der „11.9.2001 – der Tag an dem die Erde Feuer fing?“
  5. Hillgruber: Scheinbares Wohlbefinden – Medien in der Demokratie FAZ 12.02.03 S. 7

Zu Punkt 1.) finden Sie das vollständige Schreiben, aus dem ich hier nur die Worte wiedergebe:

Aber denken Sie daran, ich kann den Lauf der Welt ebensowenig aufhalten wie Sie. Also versuche ich es erst gar nicht. Aber ich kann warnen, das können Sie auch, und Sie sollten es tun. Denn meine Warnung hat die stärkste Macht im Rücken, die man sich vorstellen kann: den 2. Hauptsatz der Thermodynamik. Und es ist die Warnung vor dessen Macht. Denn nichts, aber auch gar nichts, was der Mensch sich einfallen läßt, kann diesem Regenten Schranken setzten:

Atombomben, Autobatterien und Gewitterwolken sehen unterschiedlich aus, aber alle drei sind Energiespeicher und damit kurzfristige Verletzungen des 2. Hauptsatzes. Jeder weiß, daß eine Gewitterwolke Blitz und Donner im Gefolge hat. Jeder weiß, was geschieht, wenn man eine Autobatterie kurzschließt. Keiner aber weiß, wie lange sich die in den nuklearen Knallfröschen eingesperrte Energie darin festhalten läßt. Wie sagt die Werbung so schön? :

Manchmal genügt ein Knopfdruck –

Und Energie wird freigesetzt.

Und sie wird freigesetzt werden, unausweichlich. Die Frage ist nur: Wie? – Delaborieren und das spaltbare Material in Atomkraftwerken verfeuern? – Das würde am heftigen Protest der Atomkraftgegner scheitern. Alle Atomwaffen auf den Weg zur Sonne schicken, wo sie nicht ankommen werden, weil sie vorher verdampfen? – Dafür reicht die Raketenkapazität gegenwärtig nicht aus. Mangels Alternative müssen wir damit rechnen, daß uns die Dinger gleich reihenweise um die Ohren fliegen. Und diese Stunde rückt immer näher, weil der Mensch wieder einmal der große Schwachpunkt des Isolators ist, der die eingepferchte Energie von der übrigen Welt trennt.

Der Brief war keine 24 Stunden auf dem Postweg, da hatte der 2.Hauptsatz der Thermodynamik die „Columbia“, eine außergewöhnlich symbolträchtige Raumfähre, in Einzelteile zerlegt, aber nicht so ordentlich, wie Menschen es tun würden. Normalerweise werden Raumfähren mit dem Schraubenschlüssel zerlegt und nicht durch Überhitzung. Raumfähren sind lineare Muster, die nur dann funktionstüchtig sind, wenn sie linear bleiben. Schleicht sich an irgendeiner Stelle des Musters eine Nichtlinearität ein, sind die Folgen unabsehbar, jedoch nicht unvorhersehbar: Der 2. Hauptsatz der Thermodynamik hält sich ohne jede Ausnahme an eine bestimmte Prozeßordnung, nämlich an die logistische Funktion. Sie gilt für jeden positiv rückgekoppelten, also sich selbst beschleunigenden Energiewandlungsprozeß. Sie ist in der Natur genauso allgegenwärtig wie die Kreiszahl π. Die Bahnkurve ist auf den ersten Blick eine Bifurkationskaskade mit vielfältigen Interferenzen. Die Interferenzmuster auf der kleinsten mit Fractint 17.0 darstellbaren Größenskala können durchaus absonderliche Formen annehmen, die augenscheinlich etwas gänzlich anderes darzustellen scheinen als Bifurkationen. Aber man traue seinen Augen nicht. Alle „Gesichter“ werden durch eine einzige Gleichung erzeugt, es ist immer ein und dasselbe Bild. Und wie es aussieht, gibt es noch reichlich Muster, die ihrer Entdeckung harren. Reine Mathematik, ein und dasselbe Gesetz, dennoch gewaltige Unterschiede in der Erscheinung! 1 x 1 bleibt 1, aber das, was zwischen 0 und 1 liegt, erst da wird es wirklich interessant. War es wirklich Zufall, daß ich das Reich der linearen Mathematik meinem älteren Bruder überlassen mußte? – Mathematische Formeln sind für mich grundsätzlich so unanschaulich wie für einen Mathematiker die Verwandlung einer Hypothek in eine Eigentümergrundschuld, wenn eine hypothekarisch gesicherte Forderung an den Eigentümer fällt…

Das Bifurkationsmuster und das Abgleiten eines Prozesses ins Chaos sind jedem Juristen vertraut. Denn jede Prozeßordnung läßt sich als Bifurkationsdiagramm darstellen. Zufall?

Beim „Columbia“-Absturz konnte man den Anfang der Bifurkationskaskade noch unmittelbar wahrnehmen. Erst der Erdboden setzte ihr ein Ende. Obgleich sich die Bilder erheblich voneinander unterscheiden, auch das WTC wurde genau nach dieser Prozeßordnung zerlegt; und es sind genau die vier Gesetze, die hinter der Evolution der Organismen stehen: Thermodynamik, logistische Funktion, Gravitation und der Komplex Statistik/Wahrscheinlichkeit. Ich habe das in „Der 11.9. 2001 – der Tag, an dem die Erde Feuer fing?“ geschildert, wegen der Einzelheiten sei auf diese Schrift verwiesen.

Die damals angestoßene Rückkopplungsschleife droht jetzt für Hunderttausende zur Todesfalle zu werden, das atlantische Bündnis und die UNO zu zerreißen. Der erste Gabelungspunkt war die Fehlentscheidung der NATO, die USA seinen im Sinne des NATO-Vertrages „mit Waffengewalt“ angegriffen worden. Aus dem Begriff „Waffe“ und aus dem Zweck des NATO-Vertrages ergibt sich ohne jeden vernünftigen Zweifel, daß „Waffe“ im Sinne des Nordatlantikvertrages nur eine solche im technischen Sinne gemeint sein kann: ein Gegenstand, der geeignet und bestimmt ist, Menschen zu töten und Sachen zu zerstören. Die Betonung liegt hier auf bestimmt. Und es soll niemand glauben, der Konflikt sei noch „beherrschbar“, wenn der erste Schuß erst einmal gefallen ist. Sowohl anläßlich des Angriffs auf Jugoslawien als auch in Afghanistan haben wir Glück gehabt. Ob uns dieses Glück treu bleibt, das bleibt abzuwarten. Guido Knopp nannte sein Buch und die Filmreihe über die SS „eine Warnung der Geschichte“. – Die, die aus der Geschichte am meisten lernen sollten, haben ihre Hausaufgaben nicht gemacht. Weder Bush noch Blair, weder Schröder noch Chirac kommen ohne genau den „Kadavergehorsam“ aus, vor dem die Geschichte der SS warnen soll. Was ist aber, wenn jemand ganz anderes seine Warnungen sendet, indem er unabhängig vom Zutun politischer und technischer Entscheidungsträger Selbstmörder in Gebäude fliegen läßt und den wohl symbolträchtigsten Flug der „Columbia“ in einen Feuerball verwandelt? Schauen Sie mal in die Offenbarung des Johannes, da ist von sieben Sendschreiben die Rede, vom Buch mit den sieben Siegeln und ab Kapitel 8, Vers 6 ist von sieben Engeln die Rede und von Feuer bzw. Sternen, die vom Himmel fallen. Kapitel 9,15: Und es werden losgelassen die vier Engel, die bereit waren für die Stunde und den Tag und den Monat und das Jahr, zu töten den dritten Teil der Menschen. – Aussichten sind das! – Alles Zufall, könnte man sagen, wäre da nicht das Tier, das gem. 17, 8 „gewesen ist, jetzt nicht ist und wieder aufsteigen wird aus dem Abgrund und in die Verdammnis fahren wird.“ – Eben dieses Tier ist wieder da. Es hatte sich hinter der Maske des Homo sapiens sapiens versteckt und tauchte exakt an dem Tag aus dem Dunkel der Geschichte wieder auf, als die Maul- und Klauenseuche nach England kam. Australopithecus superbus procrustes: der überhebliche Südaffe, der sich mit Gewalt alles passend macht. Und dieses Tier, dessen soziale Instinkte verkrüppelt sind, ist dazu verdammt, auf den Krücken Recht und Moral weiter durch die Evolution zu humpeln.

Bei der Nachricht über die Rückkehr der Maul- und Klauenseuche wäre mir beinahe die Kaffeekanne aus der Hand gefallen. Denn drei Wochen zuvor, nämlich am 6.2.2001 hatte ich in einem Schreiben die Landwirtschaftsministerin des Bundes aufgefordert, BSE nicht länger als Seuche zu betrachten, sondern statt dessen mit der grünen Fahne gegen HPE (humane polymorphe encephalopathie = der ganz normale Wahnsinn) zu kämpfen. BSE kann keine „Seuche“ sein, denn BSE entfaltet keinen Ausbreitungsdruck. Bezüglich der „schlagartig“ auftretenden Massenerkrankung in bestimmten Gebieten drängte sich dadurch eine ganz andere Erklärung auf: – Wieviel Bluter gäbe es wohl heute in Rußland, wenn man mit dem Sperma des letzten Zarewitsch 500.000 Frauen geschwängert hätte? – 500.000, das ist die ungefähre Nachkommenzahl eines „Zuchtbullen“ in der ersten Generation. Gregor Mendel, dessen Gesetze im Zeitalter des Designer-Babys überwunden scheinen, läßt herzlich grüßen. – Aber sie scheinen nur überwunden zu sein, sie sind da, weil niemand sie abschaffen oder aufheben kann. – Erklärung hin, Theorie her, jedenfalls hatte ich am 6.2.2001 das Schreiben an Frau Künast fertig. Ich teilte ihr sogar noch mit, daß ich das für meine Person außergewöhnliche Bedürfnis hatte, eine Kirche aufzusuchen und dort eine Kerze anzuzünden. Das klappte nicht so ganz, denn in der St. Pankratius-Kirche (Dormagen-Nievenheim) fand ich keine Kerze vor, die ich hätte anzünden können. Also legte ich eine Kopie meines Schreibens an Frau Künast – den Urtext meines Urteils über das Wesen der Evolution – in den Kerzenständer; selbstverständlich habe ich das Papier nicht angezündet! – – – Ich könnte mir vorstellen, daß auch Ihnen unter diesen Umständen die Kaffeekanne beinahe aus der Hand gefallen wäre.

Es war nicht das erste, aber auch nicht das letzte Mal, daß mir das „Beweismittel“ für eine Tatsachenbehauptung unmittelbar vor die Füße fiel: Ich hatte gerade aus alten Mythen, dem Vergleich der Gesellschaft bürgerlichen Rechts mit dem „Beuteverteilungsschlüssel“ der Pygmäen und aus dem Phänomen des „gegenseitigen Vertrages“ auf das dem Menschen eigentümliche reziproke Verhalten geschlossen, da berichtet die Zeit am 31.5.2000 unter dem Titel: „Der Mensch, kein Egoist“, von Forschungsergebnissen der Universität Zürich, die dieses bestätigen. Jeder kann sie über das Internet abfragen. Besonders aufschlußreich, aber auch schwer zu lesen ist die Arbeit von Armin Falk: homo reciprocans versus homo oeconomicus.

Und damit ist nach gut und gern zweieinhalb Jahrtausenden die theoretische und empirische Brücke zu den Erkenntnissen des großen chinesischen Philosophen Konfuzius geschlagen: Konfuzius antwortete auf die Frage seines Schülers Zi-gong, ob es ein Wort gäbe, das ein ganzes Leben lang als Richtschnur des Handelns dienen könnte, mit den Worten: „Das ist gegenseitige Rücksichtnahme. Was man mir nicht antun soll, will ich auch nicht anderen Menschen zufügen.“ (Gespräche XV, 24)

Nun schickt sich aber George Bush an, seinen Landsleuten den Befehl zu erteilen, unsere Mitmenschen im Irak willkürlich auszuwählen und zu töten. Im militärischen Sprachgebrauch heißt das euphemistisch: Ziel auffassen und zerstören. Was man mir nicht antun soll, will ich auch nicht anderen Menschen zufügen. – Das ist mehr als der bekannte Spruch: „Was Du nicht willst, das man Dir tu, das füg auch keinem anderen zu!“ – Es ist die weise Selbstbeschränkung, die verinnerlichte und unbedingte Beachtung des Übermaßverbots. – George W. hat in seiner Zeit als texanischer Gouverneur wiederholt nachgewiesen, daß ihm derartige Überlegungen fremd sind. Deswegen mag er jeden Sonntag in die Kirche gehen und lauthals „Hosianna“ und „Halleluja“ singen,; das befreit ihn nicht von dem Vorwurf der Gottlosigkeit, den man sich einhandelt, wenn man den Pilatus spielt und Gnadengesuche ablehnt.

Man kann die Worte des Konfuzius auch anders ausdrücken: Niemand hat das Recht, George W. umzubringen, aber auch er hat nicht das Recht, andere zu töten oder den Befehl dazu zu geben. Gibt er den Befehl, stellt er sich außerhalb der Rechtsgemeinschaft aller Menschen, und ab diesem Zeitpunkt sind er und alle, die seinem Befehl folgen, jeglicher Rechte gegenüber den Angegriffenen entkleidet. Das ist die Konsequenz des urtümlichsten aller Menschenrechte, nämlich des Notwehrrechts. Kein Bewohner des Planeten Erde hat gegenüber Angriffen auf seine Menschenrechte eine Duldungspflicht; erst recht dann nicht, wenn es um sein nacktes Überleben geht. Und der Angriffsbefehl beinhaltet auch einen ungerechtfertigten Angriff auf die Menschenrechte des „eigenen“ Soldaten. – Ist denn das so schwer zu verstehen?!

Und George W. geht ja noch weiter in seinem Verrat am christlichen Glauben: Er lügt, daß sich die Balken biegen. Der „Kampf gegen die Achse des Bösen“ war für George W. kein Wahlkampfthema. Erst nach dem 11.9.2001 fiel ihm ein, daß die Menschen im Irak möglicherweise auch Menschenrechte haben könnten, die zu „verteidigen“ sich lohnen könnte. Vor dem elften September gab es keine „Achse des Bösen“, die George W. zu bekämpfen gedachte. Wenn er nun beharrlich behauptet, daß Saddam über „Massenvernichtungsmittel“ verfüge und diese „verheimliche“, besteht angesichts der Geschichte die Möglichkeit, daß die USA Herrn Saddam anläßlich des I. Golfkrieges massiv mit chemischen und biologischen Waffen versorgt hatten. Wider Erwarten wurden die gelieferten Waffen im Golfkrieg gegen den Iran dann doch nicht eingesetzt und sind heute „verschollen“. – Ja Herrgott, wo sind sie denn geblieben? – Bei diesem Szenario würde es mich nicht wundern, wenn das Team des „Weißen Hauses“ herumläuft wie ein Hühnerhaufen und über betagte Lieferscheine gackert: Senfgas, VX, Tabun, Zyklon B, Anthrax, Pocken….

Die Amtsvorgänger des George W. und deren vormalige Moskauer Gegenspieler hielten gern die Fäden in der Hand und ließen die Puppen nach ihrem Willen tanzen. Man nannte das damals „Marionettenregime“. Als ein solches war auch Saddam ursprünglich von den Verantwortlichen in Washington gedacht. – Aber Saddam schnitt die Fäden durch und eröffnete seine eigene Puppenkiste.

Die Computeranimation hat das Puppenspiel abgelöst, heute gibt man die „Befehle“ per Mausklick oder per <Enter>-Taste:

„Walle! walle manche Strecke, daß, zum Zwecke, Wasser fließe und mit reichem, hohem Schwalle zu dem Bade sich ergieße.“ <Enter>

– Schon Goethe warnte vor einer gewaltsamen Lösung, wenn man die Geister, die man rief, nicht mehr loswird: Der Versuch des „Zauberlehrlings“, den eimerschleppenden Besen gewaltsam zu „entwaffnen“, verdoppelte das Problem (Bifurkation!): „Und sie laufen! Naß und nässer wird’s im Saal und auf den Stufen, welch entsetzliches Gewässer!“ – Man soll als Zauberlehrling eben keine Maschinerie in Gang setzen, wenn man den „Aus“-Knopf nicht kennt: „In die Ecke Besen! Besen! Seids gewesen! Denn als Geister ruft euch nur, zu seinem Zwecke, erst hervor der alte Meister.“ – Die Bilder der logistischen Funktion belegen, daß der Mensch nicht der Meister ist, sondern der Lehrling – in der ersten Minute der ersten Stunde des ersten Tages des ersten Lehrjahres.

Im nahen Osten hießen die Besen zweifellos Saddam Hussein und Osama Bin Laden: „Und nun komm, du alter Besen, nimm die schlechten Lumpenhüllen! Bist schon lange Knecht gewesen: Nun erfülle meinen Willen!“, denn nimmt man George W. Bush und seine Amtsvorgänger und personifiziert sie als „der amerikanisch Präsident“, sind die Ähnlichkeiten mit Goethes Phantasiegestalt verblüffend: „O, du Ausgeburt der Hölle! Soll das ganze Haus ersaufen? Seh ich über jede Schwelle doch schon Wasserströme laufen. Ein verruchter Besen, der nicht hören will! Stock, der du gewesen, steh doch wieder still!“ – Walt Disney hat in seinem Film „Phantasia“ die Rückkopplungsschleife, die Goethe nur andeutet, vollständig dargestellt.

Der deutsche Namensvetter des amerikanischen Präsidenten vertritt bezüglich Krieg und gewaltsamer „Entwaffnung“ nach wir vor folgenden Standpunkt:

Ganz unverhofft an einem Hügel

trafen einst sich Fuchs und Igel.

Halt! rief der Fuchs, du Bösewicht,

kennst du des Königs Ordre nicht?

Ist nicht der Frieden längst verkündigt

und weißt du nicht, daß jeder sündigt,

der immer noch gerüstet geht?

Im Namen seiner Majestät:

Geh her und übergib dein Fell! –

Halt! – sprach der Igel, nicht so schnell.

Laß dir erst deine Zähne brechen,

dann wollen wir uns weitersprechen.

Und schnell macht er sich kugelrund,

schließt seinen dichten Stachelbund.

Und trotzt getrost der ganzen Welt –

bewaffnet, doch als Friedensheld.

Wilhelm Busch hat das Aufflammen des Konflikts im Nordirland des ausgehenden zwanzigsten Jahrhunderts nicht miterleben können. Ein Dichterkollege Buschs hat jedoch in der Ballade „Joe McDonnel“ die Antwort des Igels in die Gretchenfrage des „Terroristen“ an die Hegemonialmacht verwandelt. – Wie hätte Busch wohl die nachfolgenden Zeilen ins Deutsche übertragen? :

And you dare to call me a terrorist

while you lock down your gun?

– When I think of all the deeds that you have done:

You have plundered many nations

divided many lands

You have terrorized their peoples

you ruled with an iron hand

and you brought this reign of terror

to my land.

(Und Ihr wagt es, mich einen Terroristen zu nennen, während ihr eure Waffe entsichert ? Wenn ich an all die Taten denke, die ihr getan habt. Ihr habt viele Nationen ausgeplündert, viele Länder geteilt, ihr habt deren Völker terrorisiert, ihr habt mit eiserner Hand regiert. Und ihr brachtet diese Herrschaft des Terrors in mein Land.)

Terroristen brauchen keine nuklearen, keine biologischen oder chemischen Kampfstoffe. Im Gegensatz zum Militär ist es nicht Ziel von Terroristen, möglichst viele Menschen zu töten, es ist vielmehr deren Ziel, mit dem geringst möglichen Aufwand den größtmöglichen Schrecken zu verbreiten. Wie man unschwer erkennen kann, ist das am 11.9.2001 in hervorragender Weise gelungen. Der Terror ist zum Selbstläufer geworden. Jeder Pups, den Bin Laden läßt, potenziert sich in den Medien zum potentiellen Gasangriff. Terroristen brauchen nicht einmal mehr Waffen. Sie brauchen nur noch Informationen über angebliche Waffen und „geplante“ Anschläge an den richtigen Stellen zu deponieren, um ganze Regierungen und Verwaltungsapparate vor sich herzutreiben. Mitunter tut es auch ein Tütchen Backpulver oder Trockenhefe, wenn es nicht als solches ausdrücklich gekennzeichnet ist. Und was meinen Sie, wie sich die Nachrichten überschlagen werden, wenn ein Sprühflugzeug über Frankfurt oder Berlin auftaucht und gewöhnlichen „Federweißen“ versprüht. Allein der Nachweis, daß es sich bei den „freigesetzten“ Mikroben tatsächlich um gewöhnliche Weinhefe und nicht um biologischen Kampfstoff handelt, würde Wochen in Anspruch nehmen und das öffentliche Leben geradezu auf den Kopf stellen. Da man die „Waffen“ für ein paar Cent bei Aldi kaufen kann, ist „Terrorismus“ billiger denn je:

Denn immer wieder wird der „Terror“ durch den „Terror der Aktualität“ überholt. In seinem 1971 erschienenen Band „Widersprüche“ setzte Jean Améry den Aufsatz „Terror der Aktualität“ an die Stelle eines Vorworts und schreibt:

„Wir alle, groß und klein, die wir die Verläufe (der Verwandlungen in der Welt – Anm. d. Verf.) deuteten und um der Deutung willen Zeit drangeben mußten, weil man nun einmal nicht denken kann, wenn man nur hypnotisierten Blicks die Bahnen der Informationsgeschosse verfolgt – wir alle liegen hinten nach und haben nun das Nachsehen“(…)„Wenn also, um ein »aktuelles« Beispiel heranzuziehen, ein Roman wie Erich Segals »Love Story« von den Medien allseitig beleuchtet und interpretiert wurde, dann fühlten die Informatoren sich gehalten, so zu tun, als begänne mit Segal eine neue Epoche erotischer Romantik. Die Wochenzeitschrift »Time« ging gleich aufs Ganze und kündigte in fast solenner Form diese Kehre all-amerikanischen Liebesverhaltens an. Auf solche Weise entsteht dann das, was – in anderem Kontext – der amerikanische Soziologe Daniel Boorstin »pseudoevent« genannt hat. Es kann aber diesem von den Medien zwar nicht fabrizierten, aber ins Enorme geblähten Pseudo-Ereignis kaum jemand sich entziehen, zumal ja immer erst post eventum fixiert werden kann, wie hoch der Realitätsgrad (will sagen: Durabilität, geschichtliches Weiterwirken) eines Begebnisses ist.“ (J Améry „Widersprüche“ Stuttgart 1971)

Der „pseudoevent“ von Moskau bietet den Propagandaministern der „freien“ Welt Anlaß genug, die Angst vor chemischen und biologischen Kampfstoffen in der Hand eines Saddam Hussein zu schüren. Die Herren, denen sie dienen, setzten aber selbst chemische Kampfstoffe unter dem Deckmantel der „Terroristenbekämpfung“ in der skrupellosesten Art und Weise ein, die man sich nur ausdenken kann, nämlich ohne Rücksicht auf eigene Verluste.

Diese Zeilen sind wenige Monate alt, ich hatte sie anläßlich des „Geiseldramas“ von Moskau verfaßt.

Daraus folgt, daß wir uns in Zukunft auf eine Art Verbalterrorismus einzustellen haben. – Nachrichten, die jeder Grundlage entbehren, Angst und Schrecken verbreiten, den Regierungen aber den Vorwand liefern, noch mehr Freiheitsrechte einzuschränken. Und all das verschlingt immense Summen…. Sie glauben mir nicht? – Dann möchte ich Sie doch bitten, einmal all die Statements, die Bundesgummiknüppel Otto Schily anläßlich der wechselnden „Bedrohungslagen“ für „Deutschland“ seit dem 11.9.2001 abgegeben hat, zusammenzutragen und an eine Pinwand zu heften. Wann – bitteschön! – gab es in den vergangenen anderthalb Jahren einen Angriff von Al Qaida – Terroristen in Deutschland?

– Es sieht ganz danach aus, als könne der Wahnsinn des Krieges nur noch durch eine Kugel in die Stirn des George W. aufgehalten werden. Aber vielleicht verhält es sich ja wirklich so, wie ich orakelt hatte: „Caesar bräuchte heute die Iden des März nicht mehr zu fürchten, er würde am Zeitungskiosk erledigt.“ – Und genau das, es kristallisiert sich immer mehr heraus, ist die Aufgabe einer freien Presse: Caesaren erledigen. Und Aufgabe der Justiz wird es sein, die Caesaren schadlos zu „entsorgen“.

Natürlich können Sie alles, was Sie bisher gelesen haben, für völligen Quatsch halten. Das ist Ihr gutes Recht. (…) Man sagt, in Irland sei die unsichtbare Wand, die zwischen den Menschen und den eherjenseitigen Teilen dieser Welt steht, besonders dünn. Ich kann diese Behauptung nicht mehr qualifiziert bestreiten:

Der Nationalheilige Irlands, St. Patrick, soll seinen Landsleuten die Dreifaltigkeit Gottes anhand eines Kleeblatts erläutert haben. Deswegen ist das Kleeblatt Irlands Nationalsymbol. Nun nehme ich das Kleeblatt des St. Patrick und erläutere die Prinzipien der Evolution: Kommunikation (Verständigung), Kooperation (Zusammenarbeit) und Harmonie. – Zufall?

Da gibt es keinen „Kampf ums Dasein“, keine „Selektion“. – Beides sind Projektionen menschlichen Verhaltens in die Natur; ein für Charles Darwin unvermeidlicher Irrtum, weil bis heute das Lieblingskind der Physiker, die Mechanik, eifrig in die Natur projiziert wird. Aber in der Natur gibt es keine Mechanismen, es gibt nicht einen einzigen Mechanismus. Nicht in der Quantenphysik, nicht in der „Himmelsmechanik“. In der Mechanik bewegt sich nämlich nichts, aber auch rein gar nichts, wenn nicht ein mechanischer Gegenstand mit einem nichtlinear-dynamischen System in bestimmter Weise in Wechselwirkung tritt. Und mechanische Systeme sind katastrophenanfällig: Autos, Eisenbahnen (Eschede!), Flugzeuge und Schiffe. – Auch Hochhäuser und Raumfähren. Und sehr zu Leidwesen der Physik, die sich mit Vorliebe den reversiblen (umkehrbaren) Vorgängen widmet, wird es diese letztlich nicht geben: Die Erde dreht sich, sie umkreist die Sonne, diese wiederum umkreist das Zentrum der Milchstraße. Die Milchstraße ihrerseits bewegt sich von den anderen Galaxien fort. – Und alles mit sehr hohen Geschwindigkeiten. Legt man nun ein gigantisches kartesianisches Koordinatensystem über das Universum, stellt man unschwer fest, daß kein Teilchen an den Ort zurückkehren kann, an dem es sich jetzt befindet. Das dürfte der innere Grund für die Heisenbergsche Unschärferelation sein, wonach es unmöglich ist, Ort und Impuls eines Teilchens gleichzeitig zu ermitteln. Und dennoch scheint im Universum eine strenge Ordnung zu herrschen. Der Schein aber trügt. Bei all den Dingen, die uns umgeben, dürfte es sich letztlich um Interferenzmuster handeln. Wenn Das Johannesevangelium mit den Worten beginnt: „Im Anfang war das Wort“, so ist dies nicht unzutreffend. Denn das Wort ist nach dem Baukastenprinzip organisiert. Das Wort ist Teil der Sprache. Die Sprache ihrerseits ist nach meinen Feststellungen ein nach dem Baukastenprinzip organisiertes System zur hochauflösenden akustischen Übermittlung von Bildern. Das Baukastenprinzip findet sich auf allen Größenskalen dieser Welt wieder, bis hinunter in die Welt einzelner Energiequanten. Und wir finden es wieder in den Gesetzen, die der „Gesetzgeber“ erläßt. Und – wie sollte es anders sein? – auch die Welt der Jurisprudenz ist geprägt vom Bifurkationsmuster der Prozesse. Und es ist durchaus kein Zufall, wenn das Bifurkationsmuster, an dessen Ende das richterliche Urteil steht, „Erkenntnisprozeß“ genannt wird. Und genau da, bei der richterlichen Urteilsbildung verläuft die Grenze menschlicher Erkenntnismöglichkeit. Wir können nicht wirklich „wissen“, was in und mit der Welt los ist, wir können uns nur Urteile bilden. Leider ist die Rechtswissenschaft die einzige Wissenschaft, die die eigene Unzulänglichkeit anerkannt und als „Rechtskraft“ institutionalisiert hat. Ein Urteil kann richtig oder falsch sein; ist es aber einmal rechtskräftig, kann es nur unter sehr engen Voraussetzungen wieder aus der Welt geschafft werden. Demgegenüber können die Urteile der Naturwissenschaften nie in Rechtskraft erwachsen, weil sich die naturwissenschaftlichen Erkenntnismöglichkeiten ständig erweitern und verändern. Naturwissenschaften zu betreiben, heißt demnach, einen schier endlosen Erkenntnisprozeß zu führen, Zwischenurteile zu fällen, aber nie zu einem Endurteil gelangen zu können.

Mit einem „Erkenntnisprozeß“ besonderer Art beschäftigt sich auch die Offenbarung des Johannes:

Mit Offenbarung 20, 1 beginnt das „Tausendjährige Reich“, mit Offenbarung 20,11 wird die Verhandlung des Jüngsten Gerichts eröffnet, beide sind untrennbar verklammert durch Offenbarung 20,7, denn da wird der am Ende des „Tausendjährigen Reiches“ der Teufel so richtig losgelassen….

Und nun kommen wir langsam zum Schluß, ich konfrontiere Sie nunmehr mit den letzten(?) Dingen:

An deren Anfang stehen zwei Hunde: Im August 1996 brachte meine Frau eine kleine Hündin mit aus dem Urlaub, die eigentlich nur aus Beinen bestand. Aus unerklärlichen Gründen, aber wohl durch ihre Beine und ihren herausfordernd-unschuldigen Augenaufschlag inspiriert, hatte meine Frau sie „Madonna“ genannt. Madonna wurde unser Hund Nummer drei. Neun Monate später begegneten wir am Strand von Mil Palmeras unserem Hund Nummer vier: Es würde an dieser Stelle zu weit führen, die ganze Geschichte eines Hundes zu erzählen, der offensichtlich bewußt sein „Herrchen“ wechselte; denn es reicht, daß wir nach zwei Wochen den wirklichen Namen unseres „Tristan“ erfuhren: Bobby. ­ – Der Name meines Vaters! – Und jetzt wird es erst richtig mysteriös:

Als ich meine Reise durch die Evolution startete, war mir klar, daß ich Sprengsätze an die Grundfesten des mir eingetrichterten Weltbildes würde legen müssen. Die Zerstörung des Ptolemäischen Weltbildes durch die Astronomen, die Reformation und Darwins großartige Arbeit zeigen, daß das jeweils herrschende Weltbild sich gegen den eigenen Untergang mit Händen und Füßen, mit Zähnen und Klauen zur Wehr setzt. Die Schmähungen, die ein Dr. Semmelweis erfahren mußte, als er versuchte, Sauberkeit in die Krankenhäuser zu bringen; die erbitterte Ablehnung, auf die Alfred Wegener stieß, nachdem er seine Arbeit über die Kontinentaldrift veröffentlicht hatte, sind nur wenige Beispiele für die unendliche Reihe unerbittlicher Abwehrschlachten, die obsolete Weltbilder zu schlagen bereit sind.

Nachdem mir gedämmert hatte, daß einer der „Sprengsätze“ auch den heiligen Stuhl erfassen könnte, versah ich meinen Sachbericht mit einer Art „Eingangsplädoyer“, wie man es aus amerikanischen Gerichtsserien kennt. Freilich verkannte ich die mir zugedachte Prozeßrolle, denn ich eröffnete mit folgenden Worten:

Jüngstes Gericht!

Ja, ich habe die Krone der Schöpfung kaputt gemacht, mit einem Steinwurf. Aber ich konnte nichts dafür, daß der Stein getroffen hat. Vielleicht habe ich auch den Homo sapiens sapiens[1] auf dem Gewissen, trotzdem kann ich ruhig schlafen. Ich habe Homo sapiens sapiens zwar zu fassen versucht, aber als ich seiner habhaft werden wollte, war er verschwunden wie das Einhorn.(…)

Und nun zum Steinwurf:

Es war einer jener lichtdurchfluteten Sommersonntage des Jahres 1999. Wie üblich unternahm ich mit meinen Hunden Bobby und Madonna einen ausgedehnten Spaziergang durch die Felder. Während Madonna einem ihrer Hobbys nachging, nämlich dem untauglichen Versuch, Wühlmäuse oder Maulwürfe auszugraben, forderte Bobby mich unmißverständlich auf, Stöckchen oder Steine zu werfen, denen er dann nachjagte. Auf diese Weise hatte ich den Hund zu einer Reihe von Sprints veranlaßt, bis er plötzlich mitten im Lauf innehielt, die Richtung wechselte und das nächste schattige Plätzchen aufsuchte. Dort legte er sich hin und hechelte, was das Zeug hielt. Ab und zu rutschte er einen Meter vor, weil ihm der Boden unter dem Bauch buchstäblich zu heiß geworden war. Mehr als eine halbe Stunde versuchte der Hund verzweifelt, seine überschüssige Wärme an die warme Luft abzugeben. Mir war auch warm geworden, aber ich hatte es einfacher: ich zog mein Hemd aus und schwitzte vor mich hin. – Wasser, das ich dem Hund hätte geben können, war nicht in der Nähe; ich muß wohl irgendwie versucht haben, ihn durch eine dumme Bemerkung aufzuheitern, jedenfalls entfuhr mir der Satz: „Siehst Du, Dicker, das ist der Nachteil, wenn man ein Fell hat.“ Ich blickte in die mitleiderregenden Augen meines Hundes, der augenscheinlich hilf- und wehrlos auf dem Boden lag, sah aber einen Trupp kleiner Männchen. Es waren aber keine kleinen grünen Männchen, sondern dunkelhäutige, die ein unbekanntes Tier, das erheblich größer war als sie selbst, durch dessen eigene Körperwärme zu Boden gezwungen hatten. Damit war für mich eine Frage beantwortet, die nicht erst seit Charles Darwin Biologen in aller Welt beschäftigt, nämlich warum wir Menschen kein Fell haben.

Für mich jedenfalls stand seitdem fest, daß der Prozeß dessen, was wir als „Menschwerdung“ bezeichnen, untrennbar mit der merkwürdigen Gestaltung unserer Körperoberfläche verbunden sein mußte. Ein nach besten Kräften hechelnder Hund ist freilich kein Beweis für eine solche Behauptung. Weitere Beweismittel hielt die Gegenwart auf den ersten Blick nicht zur Verfügung. Folglich unternahm ich eine Reise in die Vergangenheit.

(…)

Das Leben als Australopithecus hat freilich auch Vorteile, denn – um vorab nur ein Beispiel zu nennen – eine der wesentlichen Errungenschaften der Aufklärung, nämlich die Menschenrechte, erscheinen plötzlich als Grundbedürfnisse des Menschen, die im Verlaufe der Kulturgeschichte unter die Räder kamen. Sie gehören damit zur Natur des Menschen und nicht zu seinem kulturellen Überbau. Man kann sie negieren und auch zeitweise gewaltsam unterdrücken. Sie sind dennoch allgegenwärtig wie der Sex – und den hat schließlich auch keiner abschaffen können.

Was Staaten anbelangt, so werden langfristig nur die überleben können, die ein demokratisch verfaßtes Gemeinwesen repräsentieren, sehr wahrscheinlich wird die Verfassung dieser Gemeinwesen nur das sogenannte Mehrheitswahlrecht kennen und Parteien nur eine untergeordnete Rolle spielen. Deren Einfluß wird auf das für notwendige Polarisierung erforderliche Maß reduziert sein. Mit Australopithecinen ist eben auf lange Sicht kein anderer Staat zu machen. Es wird freilich noch lange dauern, bis die Menschheit das Machtstreben und die Herrschsucht ihrer Häuptlinge auf ein gesundes Maß zurechtgestutzt und unter Kontrolle gebracht hat.

In der Welt des Australopithecus ist kein Raum für Rassismus; dieser schrumpft auf die Dimension einer Familienfehde. Denn aus der Sicht des Australopithecus ist auch der „weiße Mann“, diese merkwürdige „Herrenrasse“, nichts anderes als ein verkrüppelter Neger; der „Weiße“ ist unvollständig, weil ihm Hautpigmente fehlen. Die Auseinandersetzungen zwischen Israelis und Palästinensern, zwischen Hutus und Tutsis erscheinen als ins Groteske übertriebener Bruderzwist. – Und damit steht dieser Konfliktherd nicht allein da. – Allerdings, erst wenn diese Erkenntnis Eingang in die Köpfe unserer Mitmenschen gefunden hat, können Schwerter zu Pflugscharen werden.

Damit aber ist in absehbarer Zeit nicht zu rechnen, deshalb wird die Menschheit bis dahin noch einen unermeßlichen Blutzoll zu zahlen haben; für den sind weniger die Völker, desto mehr aber deren „Repräsentanten“ verantwortlich. Dennoch wird die Natur sich nicht aufhalten lassen; nicht einmal die nuklearen Knallfrösche sind in der Lage, alle Menschen zu vernichten.

Als Referendar hatte ich nicht nur in den Räumen des Europarats laut darüber nachgedacht, daß auch „der Henker ein Recht auf Arbeit haben könnte“; ich hatte auch gefrozzelt, daß Anwälte nicht sterben können, sie bekämen lediglich ihre Zulassung zum Jüngsten Gericht.

Ich hätte es mir im Traum nicht einfallen lassen, noch zu Lebzeiten die Rolle des „Chefanklägers“ beim „Jüngsten Gericht“ übernehmen zu müssen. – Aber ich muß sie wohl oder übel akzeptieren:

Nehmen wir zu Protokoll: Die Revision des Verfahrens Darwin ./. Schöpfung begann an einem Sommersonntag des Jahres 1999 mit einem Steinwurf. Am 6.2.2001 wurde die Revisionsschrift durch St. Pankratius (Nievenheim) an das Jüngste Gericht übermittelt. Am Tag, als Englands Kühe Feuer fingen, sprach die Maul- und Klauenseuche das Urteil:

1. Der Mensch wird verurteilt, den Namen homo sapiens sapiens abzulegen und künftig den Namen australopithecus superbus procrustes zu führen.

2. Der Mensch wird verurteilt zu unterlassen, den zweiten Hauptsatz der Thermodynamik zu verletzen, zu mißachten oder im Einzelfall für unanwendbar zu erklären. Für jeden Fall der Zuwiderhandlung wird eine Katastrophe unbestimmten Ausmaßes angedroht.

Am 11.9.2001 wurde diesem Urteil vor den Augen der Welt das Rechtskraftzeugnis erteilt. – Es ist schon merkwürdig, daß die „Urkundsbeamten der Geschäftsstelle“ sich selbst als „Gotteskrieger“ bezeichneten.

Und seit dem 11.9.2001 befindet sich das Urteil in der Phase der Vollstreckung. – Ob es richtig oder falsch ist, interessiert nicht mehr, – es ist rechtskräftig. Damit ist es unabhängig von allen menschlichen Regungen ohne jedes Erbarmen zu vollstrecken. – Und in der „aufgeklärten“ und „westlichen“ Welt scheint es keinen dafür geeigneteren „Vollstrecker“ zu geben als

George W. Bush.

Er hat sich für diesen Posten schließlich durch seine Tätigkeit als Gouverneur von Texas als hervorragend geeignet erwiesen, er hat Todesurteile gleich Dutzendweise vollstrecken lassen. Diesmal aber wird er das Urteil zu Ziffer 1.) an sich selbst vollstrecken, denn er schickt sich an, so zu handeln, wie man es von einem überheblichen Südaffen, der sich mit Gewalt alles passend macht, erwartet: er schickt sich an, „den Irak“ auf das Prokrustesbett zu legen.

Zur Auffindung eventueller „X-Faktoren“ stelle ich gern mein Blut zur Verfügung. Das größte Problem für Gentechniker bei der „Entschlüsselung“ meines „Genoms“ wird sein, die einzelnen Gene nach „Nationen“ zu trennen. Mütterlicherseits mendelten bei mir nämlich noch Holländer und Franzosen mit. Nun sagen die Genetiker, daß die DNA der Mitochondríen nur von der Mutter vererbt werden können. Welchen natürlichen „Paß“ haben deren Gene? – Bin ich trotz der obigen Ausführungen, die einen deutlichen Hinweis auf die Grüne Insel in sich tragen, nach dem genetischen „Paß“ vielleicht doch nur Holländer oder französischer Käse? Nach „Nationen“ geordnet, bin ich entweder der „Bastard“ par exellence – oder aber ich habe Europa in den Genen. – Sie können sich das aussuchen. – Sie sehen, daß viele Dinge, die für wichtig gehalten werden, nämlich Nationalität, Staatsangehörigkeit und ähnlicher Unsinn, nichts mit der Welt, in der, mit der und von der wir leben, zu tun haben.

Nach allem stelle ich einmal eine Frage, die mit mir nichts zu tun hat: Was ist der „freien Presse“ wichtiger:

Die Nachrichten über einen unnötigen Krieg, darauf fußend die Nachrichten aus einem unnötigen Krieg, beides basierend auf durchsichtiger Propaganda der Politik?

Oder aber ist die Wahrheit wichtiger, die zur „Erledigung“ der Caesaren führt? – Sie erinnern sich: : „Caesar bräuchte heute die Iden des März nicht mehr zu fürchten, er würde am Zeitungskiosk erledigt.“ – Und genau das, es kristallisiert sich immer mehr heraus, ist die Aufgabe einer freien Presse: Caesaren erledigen. Und Aufgabe der Justiz wird es sein, die Caesaren schadlos zu „entsorgen“.

Ich hatte es an anderer Stelle bereits hervorgehoben: Die Pressefreiheit ist der Unabhängigkeit des Richters ebenbürtig. Ein Richter wird sauer, wenn man ihn belügt. Die Verletzung der prozessualen Wahrheitspflicht ist aus gutem Grund strafbewehrt. Bislang haben die „Medien“ klaglos hingenommen, daß sie von „denen da oben“ nach Strich und Faden belogen werden. Sie „verbiegen“ die Wahrheit für ein Interview. – Ich esse für mein Leben gern Linsensuppe, aber für ein Linsengericht würde ich die Freiheit meiner Berichterstattung nicht hergeben.

Prof. Dr. Christian Hillgruber stellt in seinem Beitrag „Scheinbares Wohlbefinden“ fest, daß das Aussprechen der Wahrheit durch die Medien selbst ein Medienereignis ersten Ranges darstellt, weil es eben nicht dem Erwartungshorizont entspricht, sondern aus dem Rahmen fällt. Und wenn ein renommierter Staatsrechtler meiner Alma Mater diese Wahrheit ausspricht, dann sollte Sie das verdammt nachdenklich stimmen.

Wenn die „freie“ Presse Propaganda nicht „bestraft“, degradiert sie sich selbst zum „Völkischen Beobachter“, zum „Neuen Deutschland“, zur „Prawda“ und schaut zu, wenn Tausende den Popanz, den die Propaganda der Politik aufbaut, mit dem Leben bezahlen! – Ist Ihnen das die „Berichterstattung“, die Auflage wert?

Ich habe meinerseits alles Erforderliche getan, um drohenden Schaden abzuwenden. Mehr Mittel als das Urteil, das ich mir habe bilden müssen, stehen mir nicht zur Verfügung. Jetzt lege ich die Verantwortung der Verkündung in Ihre Hände. – Mal sehen, was Herr Hillgruber dazu sagt.

Und ausgerechnet heute, an dem Tag, an dem die letzten Zeilen dieses Briefes geschrieben werden, finde ich unter Ihren Leserbriefen die apolalyptischen Gedanken Erich Kästners: Das letzte Kapitel. – Zufall?

Mit freundlichen Grüßen

 

 

DIE WELT
Z. Hd. Herrn Chefredakteur
Jan-Eric Peters
Brieffach 24 10
10888 Berlin
22.02.03

Columbia als Menetekel (DIE WELT vom 10.02.03)

(Nachtrag zu meinem Schreiben vom 20.02.03)

Sehr geehrter Herr Peters,

Mein o.a. Schreiben war wieder einmal weniger als 24 Stunden auf dem Postweg, da ereignete sich in New York nicht nur eine spektakuläre Manifestation des 2. Hauptsatzes der Thermodynamik, die Anzahl der Ereignisse hatte sich verdoppelt. Alles Zufall?

Ich bin kein Mathematiker und kein Statistiker. Aber die Wahrscheinlichkeit dürfte sehr gering sein, daß im Angesicht eines drohenden Krieges vor der unwiderstehlichen Gewalt des 2. Hauptsatzes gewarnt wird und unmittelbar darauf eine Raumfähre abschmiert – mit sieben Astronauten an Bord. Wie wahrscheinlich ist es, daß das Verglühen gerade die Raumfähre trifft, die den ersten Astronauten beherbergt, der die israelische Staatsbürgerschaft besitzt?

Irgendwo in Ihrem Hause dürfte jemand aufzutreiben sein, der berechnen kann, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, daß keine drei Wochen später erneut vor der Macht des 2. Hauptsatzes gewarnt wird und binnen weniger als 24 Stunden nach Postversand gleich zwei spektakuläre Feuer entstehen, die über die Tatsache der Verdoppelung hinaus beide auf dem „Blindgängereffekt“ beruhen. Und wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, daß beide Ereignisse am selben Tage in New York eintreten? – Und wie wahrscheinlich ist es, daß dies quasi an dem Tag geschieht, an dem festgestellt wird, daß das Verhalten der Regierung der USA dem vom Goethes „Zauberlehrling“ bis aufs Haar gleicht?

Und auch bezüglich meiner Feststellung, daß die deutschen Medien nicht einmal mitbekommen, daß unser „Staat“ massiv in die Pressefreiheit eingreift, lieferte mir Ihre Zeitung den Beweis: Schauen Sie nur mal auf das Titelblatt der Ausgabe vom 31.1.2003.

Mit freundlichen Grüßen

 

 


[1] Biologischer Name des heutigen Menschen (dt. der weise, weise Mensch)

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